Für den Schweizerischen Arbeitgeberverband (SAV) ist das Verhältnis der Schweiz zu Europa die Schicksalsfrage für die Schweizer Wirtschaft. Arbeitgeberpräsident Valentin Vogt begrüsste den jüngsten Entscheid des Bundesrates, mit der EU mehrere Themen gleichzeitig zu verhandeln.

Die wichtigste politische Frage, die die Schweiz in den nächsten Jahren klären müsse, sei ihr Verhältnis zu Europa, stellte Vogt am Donnerstag am Arbeitgebertag in Bern fest. «Für die Gestaltung stabiler Beziehungen ist die Einsicht essenziell, dass die Partnerschaft mit Europa – nicht der Alleingang – den Erfolg der Exportnation Schweiz ausmacht», sagte Vogt.

Votum für Schutzklauseln

Die Wirtschaft bekenne sich daher unmissverständlich zu den bilateralen Verträgen mit der EU, erklärte der Arbeitgeberpräsident. Mit der neuen Verhandlungsstrategie des Bundesrates erhoffe man sich einen grösseren Spielraum zur Umsetzung der Masseneinwanderungs-Initiative.

Vogt betonte zudem erneut die Haltung der Wirtschaft, dass eine Umsetzung mittels Schutzklauseln der aussichtsreichste Weg sei, um die bilateralen Abkommen zu bewahren, da Schutzklauseln innerhalb der EU bekannt und bewährt seien.

Unterstützung von deutschen Arbeitgebern

Schützenhilfe zum Thema Bilateralen erhielt der Arbeitgeberverband von seinem deutschen Pendant: Gastreferent Ingo Kramer, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), zeigte Verständnis für die Schweiz.

Zwar verweise die EU zurecht auf die zentrale Rolle der Arbeitnehmerfreizügigkeit für den europäischen Binnenmarkt, sagte Kramer. Die EU müsse aber auch berücksichtigen, dass die Zuwanderung in die Schweiz um ein Vielfaches höher ist als jene in die Mitgliedstaaten der EU. Der BDA setze sich dafür ein, dass die EU mit der Schweiz einen konstruktiven Lösungsansatz entwickle, der beiden Seiten gerecht würde.

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Studie zur Messung der Lohngleichheit

Neben einer stabilen Beziehung zur EU betonte der Schweizerische Arbeitgeberverband auch die Wichtigkeit eines offenen und flexiblen Arbeitsmarktes. Er warnte vor unnötigen Regulierungen, so etwa hinsichtlich der Lohngleichheit zwischen Männern und Frauen.

Letzten Oktober hatte der Bundesrat entschieden, Unternehmen mit mehr als 50 Angestellten zu einer Lohnanalyse zu verpflichten. Das Thema dürfte bald wieder aktuell werden: Eine entsprechende Vernehmlassungsvorlage soll bis Mitte dieses Jahres ausgearbeitet werden. Die Arbeitgeber sind gegen solche Kontrollen.

Keine «Lohnpolizei»

Im Vorfeld der baldigen Vernehmlassung präsentierte der Arbeitgeberverband deshalb am Donnerstag eine Studie zu Lohnunterschieden, die er in Auftrag gegeben hatte. Dieser zufolge bilden Lohnstatistiken die Realität zu unpräzise ab, da viele Informationen nicht berücksichtigt werden können.

«Angesichts dieses Befunds bewegen sich alle Interventionisten, die eine Lohndiskriminierung herbeireden und eine Lohnpolizei fordern, auf dünnem Eis», sagte Vogt. In der Schweiz verdienen Frauen nach Berechnungen des Bundesamts für Statistik (BFS) 18,9 Prozent weniger als Männer. Fast die Hälfte dieser Differenz kann das BFS nicht mit objektiven Faktoren erklären – hier spricht das Statistikamt von Lohndiskriminierung.

(sda/ise/ama)