Die Anschlagsgefahr in Europa ist wegen zurückkehrender Syrien-Kämpfer nach Einschätzung der Polizeibehörde Europol so hoch wie seit dem 11. September 2001 nicht mehr. Es könnten zwischen 3000 und 5000 Extremisten wieder in ihre Heimatländer reisen und ähnliche Anschläge wie in Paris verüben.

Das sagte Europol-Chef Rob Wainwright am Dienstag vor einem Ausschuss des britischen Parlamentes. Seine Behörde habe eine Datenbank mit 2500 Verdächtigen angelegt. Neben Syrien und dem Irak seien auch Terrornetze in Afrika und auf der arabischen Halbinsel eine Gefahr, sagte der Behördenchef.

Zusammenarbeit mit Tech-Konzernen

Da soziale Medien als ein Mittel zur Rekrutierung und für Propaganda dienten, müssten die Sicherheitsdienste enger mit den Technologiekonzernen zusammenarbeiten. Zudem bräuchte es Gesetzgebung, die es den Behörden erlaube, die Aktivitäten von Terror-Verdächtigen zu beobachten.

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Dem Sender BBC sagte Wainwright, ein wichtiger Teil der Strategie zur Terrorvorbeugung seien ausserdem Programme zur Entradikalisierung für Rückkehrer. In der vergangenen Woche hatten radikale Islamisten in Paris drei Anschläge verübt, bei denen 17 Menschen getötet wurden.

Terrorismus und organisierte Kriminalität

Europol warnte zudem vor immer engeren Verbindungen zwischen Terroristenzellen und organisierter Kriminalität. Diese «arbeiten oft Hand in Hand zum Beispiel bei Geldwäsche, Schleuserkriminalität oder bei der Fälschung von Pässen», sagte der stellvertretende Europol-Direktor Wilhelmus van Gemert der deutschen Zeitung «Bild» vom Mittwoch.

Einiges deute auch darauf hin, dass die islamistischen Extremisten ihre Anschlags-Taktik geändert haben. «Es gibt zwar immer noch Bombenanschläge, wie sie vor allem Al-Kaida verübt», sagte der Europol-Vizechef. «Aber gezielte Attacken meist von Einzeltätern auf sogenannte weiche Ziele wie Restaurants, Supermärkte oder jetzt die Zeitungsredaktion nehmen zu.» Nicht sämtliche öffentlichen Einrichtungen könnten geschützt werden. «Das nutzen sie aus.»

(sda/gku/chb)