Die Kasachstan-Affäre zieht weitere Kreise. Nicht nur die Schweizer FDP-Politikerin Christa Markwalder liess sich vor den Karren von Sonnenkönig Nursultan Nasarbajew spannen. Europaweit weibelten ehemalige und aktuelle Politgrössen für den Diktator Kasachstans, wie das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» in der neusten Ausgabe schreibt.

In Deutschland sind Ex-Kanzler Gerhard Schröder, Ex-Bundespräsident Horst Köhler und Ex-Innenminister Otto Schily in den Lobby-Skandal involviert. In Italien warb der ehemalige Premier Romano Prodi für Kasachstan. in Polen war Ex-Präsident Aleksander Kwaśniewski der Botenjunge. Und in Spanien vertrat der Ex-Aussenminister Marcelino Oreja die Interessen des Diktators.

Zwei Teams für Nasarbajew

Der Kampf um Einfluss in Europa begann 2009 in Wien. Die Anwaltskanzlei Ganzger + Partner entwarf eine Doppelstrategie, um das grösstenteils unbekannte Land in Zentralasien in bestem Glanz erstrahlen zu lassen. Dabei gab es zwei Teams: Das «Team Operette» und das «Team Operation».

Das «Team Operette» war ein unabhängiger Beraterkreis, der Nasarbajew zum hochgeschätzten Weltpolitiker aufpumpen sollte. Einsatz sollten nur die besten Politiker mit besten Verbindungen haben. Alt-Kanzler Schröder und Ex-Präsident Köhler waren mit diesem Gremium verbunden. Schröder bestätigte sein Engagement; äusserte sich jedoch nicht zu einem etwaigen, geflossenen Honorar. Köhler wurde mit 300’000 Euro gelockt, verpasste dem kasachischen Diktator in letzter Minute jedoch eine Absage, nachdem er sich zuvor bereit erklärt hat, für das Land zu werben.

Schily macht die Schmutzarbeit

Der einstige Innenminister Otto Schily war Teil des zweiten Teams, des Operationsteams, das für die Wühl- und Schmutzarbeit in Politik und Verwaltung zuständig war. Es bestand aus Abgeordneten, Juristen und ehemaligen Polizisten. Ihre Aufgabe: Den Ex-Schwiegersohn des Diktators – Rachat Alijew – hinter Gitter zu bringen. Dem «Spiegel» liegen Informationen vor, nach denen Otto Schily einen sechsstelligen Euro-Betrag erhalten hat.

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Alijew, Vizeaussenminister Kasachstans von 2005 bis 2007 und ehemaliger Botschafter Kasachstans in Österreich, war wegen eines angeblichen Putschversuches in Ungnade gefallen. Der 52-Jährige beging im Februar Selbstmord in einem Wiener Gefängnis, wo er wegen eines Mordverdachts inhaftiert war. Zuvor hatte er ein Buch mit dem Titel «The God-father-in-law» geschrieben, in dem er seinem Ex-Schwiegervater offen Korruption und Auftragsmorde vorwarf.

Seit 25 Jahren an der Macht

Der 74-jährige autoritär herrschende Staatschef von Kasachstan ist seit 25 Jahren an der Macht. Im April feierte der Präsident einen Rekordwahlsieg mit 97,7 Prozent der Stimmen. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat den kasachischen Abstimmungen noch nie demokratische Standards bescheinigt.