Sechs ehemalige Chefs der britischen Labour-Partei haben die Anhänger der Oppositionspartei eindringlich aufgerufen, an dem «Brexit»-Referendum am 23. Juni teilzunehmen und damit einen EU-Austritt Grossbritanniens zu verhindern. «Wenn Labour zu Hause bleibt, tritt Grossbritannien aus», schrieben Tony Blair, Gordon Brown, Ed Miliband, Neil Kinnock, Margaret Beckett und Harriet Harman in einem offenen Brief.

Dieser wurde am Samstag von der Zeitung «The Guardian» veröffentlicht. «Und ein Votum für ein Ausscheiden ist ein Votum für einen tiefgreifenden und dauerhaften Verlust, den das ganze Land zu spüren bekommen würde», hiess es in dem Schreiben weiter. «Nur Labour kann Grossbritannien vor dem Brexit retten.»

Warnung vor Sparmassnahmen

Ein Ausscheiden aus der EU würde voraussichtlich eine Rezession auslösen und dadurch Sparmassnahmen und die Einschränkung von Arbeitnehmerrechten, warnten die Labour-Politiker.

Labour ist nach Mitgliederzahlen die grösste Partei Grossbritanniens: Ihr gehören etwa 380'000 Menschen an. Ihr gegenwärtiger Vorsitzender Jeremy Corbyn hat sich in der Kampagne für einen Verbleib Grossbritanniens in der EU bisher kaum engagiert.

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Denkbar knappes Rennen

Der dem linken Parteiflügel angehörende Parteichef, der sich in der Vergangenheit wiederholt EU-skeptisch geäussert hatte, hielt nur wenige Reden zu dem Thema und weigerte sich, gemeinsam mit dem konservativen Premierminister David Cameron die Kampagne gegen den Brexit anzuführen.

Das brachte Corbyn Kritik ein. Auch einige Anführer der britischen Gewerkschaften, also der wichtigsten Geldgeber von Labour, riefen Corbyn zu mehr Engagement auf.

Umfragen sagen ein denkbar knappes Rennen zwischen EU-Befürwortern und Gegnern voraus. Den Verbleib in der EU unterstützen demnach derzeit 51 Prozent der Bürger, für einen Austritt sind 49 Prozent. Es gibt aber auch noch unentschlossene Wähler.

Schwächere Wahlbeteiligung bei Labour-Anhängern

Labour-Wähler sind den Umfragen zufolge einem Verbleib Grossbritanniens in der EU stärker zugeneigt als konservative Wähler. Zugleich zeichnet sich bei den Labour-Anhängern eine deutlich schwächere Wahlbeteiligung ab als bei konservativen Wählern und Anhängern der rechtspopulistischen, EU-kritischen Ukip.

(sda/me)