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Ex-NSA-Chef: «Schande über uns – unser Fehler»

Chinas Präsident Xi Jinping 2013 zu Besuch bei Barack Obama in den USA.

Der US-Geheimdienst spionierte in China die Polit-Elite, Banken und andere Konzerne aus. Dabei gingen die USA skrupellos vor. Der weltweit zweitgrösste Telekomkonzern wurde regelrecht durchleuchtet.

Veröffentlicht am 23.03.2014

Der US-Geheimdienst NSA hat Medienberichten zufolge Chinas Staatsführung und den in der Volksrepublik ansässigen Telekom- und Internetkonzern Huawei ausspioniert. Die NSA sei in das Huawei-Netz eingedrungen und habe sich zu sensiblen Daten Zugang verschafft, berichteten das Magazin «Spiegel» und die «New York Times» am Wochenende unter Berufung auf Unterlagen des ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden.

Huawei ist wie der US-Konzern Cisco Systems einer der weltweit führenden Netzwerkausrüster. Das Unternehmen steht in den USA unter dem Verdacht einer zu grossen Nähe zur Pekinger Regierung. Der Konzern reagierte am Sonntag empört auf die jüngsten Berichte und kritisierte die NSA scharf.

Verbindung zur chinesischen Armee

Der «New York Times» zufolge suchte der Geheimdienst bei Huawei auch nach Verbindungen des Unternehmens zur chinesischen Armee. Die NSA habe das komplexe System aus digitalen Schaltstellen ausgekundschaftet, das nach Angaben von Huawei Verbindungen von rund einem Drittel der Weltbevölkerung abwickelt.

Laut «Spiegel» konnten die Amerikaner zudem einen grossen Teil des E-Mail-Verkehrs mitlesen, eine Liste mit mehr als 1400 Kunden sowie interne Dokumente für das Training von Ingenieuren an den Huawei-Produkten kopieren.

«Wissen, was wir damit tun sollen»

Man habe «so viele Daten, dass wir nicht wissen, was wir damit tun sollen», heisst es laut «Spiegel» in einem Dokument. Als Grund für die NSA-Aktion sei angeführt worden, dass «viele unserer Ziele über Huawei-Produkte kommunizieren» und man auf dem Stand der Technik bleiben müsse.

Auch die Führungsriege in Peking habe der Geheimdienst ins Visier genommen. So seien der ehemalige Staatspräsident Hu Jintao, das Handels- und das Aussenministerium sowie Banken ausgespäht worden.

Keine Informationen an US-Konzerne gegeben

Der Cyber-Sicherheitschef von Huawei, John Suffolk, verurteilte die mutmasslichen Aktionen. Die Sicherheit von Netzwerken dürfe nicht gefährdet werden, betonte er. Der Manager forderte gemeinsame Anstrengungen von Regierungen und Industrie, um solche Angriffe zu verhindern. Huawei ist nach Ericsson aus Schweden der zweitgrösste Netzwerkanbieter und damit auch Rivale von Cisco aus den USA.

Eine NSA-Sprecherin sagte dem «Spiegel», der Geheimdienst gebe keine Informationen über ausländische Unternehmen an US-Firmen weiter. US-Vertreter haben dies im Zusammenhang mit den Snowden-Enthüllungen in der Vergangenheit wiederholt betont.

«Schande über uns, das ist unser Fehler»

In der neuen Woche werden der chinesische Präsident Xi Jinping und sein US-Kollege Barack Obama in Europa erwartet. Jinping soll auch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammentreffen, die offenbar selbst – wie auch ihr Vorgänger Gerhard Schröder – ins Visier der NSA geraten war.

Der Ex-Chef der NSA, Michael Hayden, entschuldigte sich unterdessen bei den Deutschen für die Folgen der Abhöraffäre. «Ich gestehe, dass wir Amerikaner nicht nur die Auswirkungen auf die Kanzlerin, sondern auch auf die deutsche Bevölkerung unterschätzt haben», sagte Hayden dem «Spiegel». Die NSA habe einen Freund in eine sehr schwierige Lage gebracht. «Schande über uns, das ist unser Fehler.»

Hayden war für den Geheimdienst verantwortlich, als dieser Medienberichten zufolge 2002 mit der Überwachung Schröders begann.

(reuters/dbe)

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