Jahrelang hat der frühere katalanische Landesfürst Jordi Pujol kategorisch abgestritten, Gelder vor dem spanischen Fiskus versteckt zu haben und in der Schweiz über Schwarzgeldkonten zu verfügen. Nun machte er übers Wochenende eine spektakulären Salto rückwärts, nun ist alles anders. Und wie.

Ging es früher um fast schon bescheidene 32 Millionen Franken seines Erstgeborenen mit Verbindungen zur Credit Suisse und vermuteten 165 Millionen Franken bei Lombard Odier in Genf, gibt der Clan nun zu, insgesamt über 600 Millionen Euro nicht versteuert zu haben. Pujol Senior, der während 23 Jahren Katalonien regierte, bat bei seinen Landsleuten um Vergebung.

Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass der Pujol-Clan über ein Konto in Andorra verfügte, auf das in nur einem Montag 3,4 Millionen Euro eingezahlt wurde. Die Ermittler machten auch öffentlich, dass die Pujols in der Schweiz 137 Millionen Euro versteckten. Zwei Söhne des Politpatriarchen werden deshalb von den Justizbehörden der Korruption angeklagt.

Lukratives Mandat für die Familie

Die Affäre ist in Spanien hochbrisant. Seit jeher hat es Verdachtsmomente gegen die Familie Pujol gegeben. Clanoberhaupt Jordi Pujol Senior regierte Katalonien zwischen 1980 und 2003 und tat sich als Vorkämpfer von möglichst grosser Autonomie der Region hervor. Pujols Kinder erhielten während seiner Regierungszeit immer wieder höchst lukrative Aufträge - immer wieder wurde der Vorwurf von Günstlingswirtschaft laut. Bisher wurde dem Clan nie etwas nachgewiesen.

Anzeige