Der Haftbefehl der Bundesanwaltschaft gegen deutsche Steuerfahnder platzt mitten in die Debatte um das Steuerabkommen. Schweizer Politiker und Banker beurteilen dieses zunehmend kritisch.

In der Zeitung „Der Sonntag“ sagt Ex-UBS-Chef Oswald Grübel, es wäre nach seiner Ansicht vorteilhaft für den Finanzplatz Schweiz, wenn das Steuerabkommen mit Deutschland scheitern würde: «Ein solches bilaterales Abkommen würde gar nichts bringen, nichts als Ärger», sagt er zum «Sonntag».

Aus Schweizer Sicht würde Grübel dem Abkommen nicht zustimmen: «Ich hätte den Deal gar nicht erst ausgehandelt», sagt er: «Das ist der falsche Ansatz, vom Anfang bis zum Ende.» Man hätte sich nie auf bilaterale Verhandlungen einlassen sollen. Der jetzige Zustand sei besser: «Solange kein neuer Vertrag zustande kommt, gilt der alte – so war es schon immer.» 

Auch bürgerliche Mitte-Politiker, die bislang für das Abkommen kämpften, sind nach den massiven Zugeständnissen der Schweiz kritisch.Der designierte BDP-Präsident Martin Landolt, Parteikollege von Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf, sagt im «Sonntag»:

«So einfach werden es die Abgeltungssteuer-Abkommen im Parlament nicht haben. Ich schliesse einen Stimmungswechsel nicht aus, die Zustimmung schwindet – insbesondere, wenn das Seilziehen mit Deutschland weiter andauert.»

(aho)

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