Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, hat die Hoffnung auf eine weitere langfristige Geldspritze für die Banken gedämpft. Die um die Jahreswende aufgelegten langfristigen Kreditlinien für die Banken benötigten noch Zeit, um zu wirken, sagte Draghi.

«Der Kreditfluss bleibt schwach», sagte Draghi nach der historischen Zinssenkung der EZB am Donnerstag vor den Medien. Allerdings habe die EZB mit ihren Tendern (Auktionen) letztlich nur die nötige Liquidität beisteuern können. Doch die Nachfrage bestimme den Markt, fügte Draghi hinzu.

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Die EZB hatte mit zwei Geldspritzen, sogenannten Langfristtendern, um die Jahreswende mehr als eine Billion Euro in das Finanzsystem gepumpt und damit eine Kreditklemme abzuwenden versucht.

Einige Experten hatten darauf gesetzt, dass die EZB mit weiteren Geldspritzen den Banken in den von der Schuldenkrise erfassten Südländern der Euro-Zone helfen würde und damit die Kreditvergabe dort ankurbeln könnte.

«Keine neuen aussergewöhnlichen Massnahmen»

Die EZB plant nach der historischen Leitzinssenkung keine neuen aussergewöhnlichen Massnahmen. «Wir haben nach der Leitzinssenkung nicht über andere aussergewöhnliche Massnahmen gesprochen», sagte EZB- Präsident Mario Draghi in Frankfurt, nachdem der Rat den Leitzins auf einen Rekordtiefstand von 0,75 Prozent gesenkt hatte.

In dem sehr fragmentierten wirtschaftlichen Umfeld der Eurozone gebe es offenbar keine Massnahmen, die effektiv sein könnten, sagte Draghi. Zu den aussergewöhnlichen Massnahmen zählen zum Beispiel die Anleihekäufe der EZB, die seit einigen Monaten ausgesetzt sind.

Laut Draghi hat die EZB aber weiterhin Handlungsmöglichkeiten. «Ich habe nicht den Eindruck, dass wir keine Optionen mehr haben. Wir haben unsere gesamte Artillerie zur Verfügung.» Er bezog sich allerdings bei dieser Aussage auf die Möglichkeit der EZB, die Preisstabilität zu verteidigen.

(aho/sda)