Angesichts zuletzt enttäuschender Konjunkturdaten und einer rückläufigen Inflation hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins auf ein neues Rekordtief gesenkt. Der Zins, zu dem sich die Geschäftsbanken bei der Notenbank refinanzieren können, werde um 0,25 Punkte auf 0,50 Prozent reduziert, teilte die EZB am Donnerstag in Frankfurt mit.

Eine Mehrheit von Bankvolkswirten hatte dies erwartet. Allerdings gab es auch eine Reihe von Ökonomen, die konstante Zinsen prognostiziert hatten. Viele Experten, wie auch EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen, zweifeln an der Wirksamkeit einer Zinssenkung.

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Ihren Einlagensatz, den sie den Geschäftsbanken für überschüssige Mittel zahlt, beliess die Notenbank bei null Prozent. Ein negativer Einlagensatz ist zwar grundsätzlich möglich, gilt im EZB-Rat aber als mit vielen Unwägbarkeiten verbunden. Der Spitzenrefinanzierungssatz wurde um 0,50 Punkte auf 1,0 Prozent reduziert.

EZB-Chef Mario Draghi wird die jüngsten Entscheidungen ab 14.30 Uhr vor der Presse im slowakischen Bratislava erläutern. Im Blick stehen die aktuelle Konjunkturlage und mögliche Hilfen der EZB für die mittelständische Unternehmen aus den Krisenländern. Die Sitzungen der EZB finden zwei Mal im Jahr ausserhalb Frankfurts in einem Mitgliedsland der Eurozone statt.

(tke/vst/awp)

EZB-Medienkonferenz in Bratislava (ab 14.30 Uhr):