Angesichts der wachsenden Geldnot Griechenlands hat die Europäische Zentralbank Insidern zufolge die Einführung einer Parallelwährung mit Schuldscheinen durch die Regierung in Athen untersucht. Weil es keinen Fortschritt gebe, müsse man derartige Szenarien in Betracht ziehen, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters.

So sei durchgespielt worden, dass Griechenland seine Beamten mit Schuldscheinen bezahle. Letztlich könnten 30 Prozent der Griechen statt Euro-Zahlungen derartige Schuldscheine erhalten.

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«Das könnte es quasi gewesen sein»

Den Insidern zufolge kamen die Experten zu dem Schluss, dass eine derartige Massnahme eine ausgewachsene Krise nicht verhindern könnte und sogar die Zukunft Griechenlands in der Euro-Zone gefährden würde. Denn die Empfänger der Schuldscheine würden wahrscheinlich ihre Bankkonten abräumen.

Damit wären die Institute auf mehr Nothilfen oder dickere Kapitaldecken angewiesen. Die Geldhäuser könnten die Schuldscheine aber nicht als Sicherheit für Darlehen hinterlegen. «Das könnte es quasi gewesen sein. Sie wären (aus der Euro-Zone) draussen», sagte einer der Insider.

Vorschlag von Wirtschaftsnobelpreisträger

Im März hatte schon der Wirtschaftsnobelpreisträgers Christofer Pissarides eine Parallelwährung für Griechenland ins Gespräch gebracht. Er bezeichnete das Vorgehen als «eine Notlösung», für den Fall, dass der griechische Staat die Löhne und Renten nicht mehr in vollem Umfang zahlen könne. 

«Der Staat könnte eine bestimmte Art von Wertpapieren ausgeben, die der Anfang einer neuen (Parallel)-Währung werden könnte», sagte der aus Zypern stammende Pissarides damals.

Regierung: Kein Grund für Planspiele

Griechenland muss im Mai eine Milliarde Euro an den Internationalen Währungsfonds zurückzahlen. Bei der EZB gibt es deswegen zunehmend Sorgen. Ein Sprecher der Notenbank sagte, man beteilige sich nicht an Spekulationen über bestimmte Szenarien für Griechenland. Aus Regierungskreisen in Athen verlautete, es gebe für derartige Planspiele keinen Grund. Man hoffe auf eine Einigung mit den Gläubigern bis Ende April.

Die Verhandlungen zwischen der linksgrichteten Regierung in Athen und den Euro-Partnern ziehen sich seit Wochen ohne greifbares Ergebnis hin. Die Staaten sind zu weiteren Milliardendarlehen bereit, verlangen dafür aber die Umsetzung zugesagter Reformen.

(reuters/tno)