Fast zwei Millionen Likes, mehr als 60'000 Kommentare und über eine Million Mal geteilt. Und das in wenigen Stunden. Rekordverdächtig! Brandon Stanton, der Künstler hinter dem Projekt «Humans of New York», hat einen offenen Brief an Donald Trump geschrieben und ihn auf Facebook gepostet. Der US-amerikanische Journalist spricht anscheinend vielen aus der Seele.

Brandon Stanton beschreibt in dem Statement, dass er auf den richtigen Zeitpunkt gewartet habe, in das Wahlkampfgeschehen einzugreifen. Irgendwann wurde ihm dann klar, dass es keinen richtigen Zeitpunkt gebe, um gegen Gewalt und Vorurteile vorzugehen. Jede Zeit sei dafür die richtige. Es ginge auch nicht mehr um eine politische Entscheidung, sondern um eine moralische. Trump habe rassistische Bilder gepostet und rassistische Lügen verbreitet.

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Trump verbreitet Hass

Mit Freude habe der Präsidentschaftskandidat zu Gewalt aufgerufen, Folter verteidigt und die Ermordung der Angehörigen von Terroristen propagiert. Vergnügt habe Trump Geschichten über die Hinrichtung von Muslimen mit in Schweineblut getauchten Gewehrkugeln erzählt. Flüchtlinge bezeichnete er als Schlangen, und mit Sprüchen wie «der Islam hasst uns» spickte er seine Reden.

Stanton selbst habe Hunderte Muslime interviewt. Menschen, die er zufällig auf den Strassen Pakistans, des Iran oder Irak getroffen habe. Zudem sprach er mit Flüchtlingen aus Syrien und dem Irak, doch Hass begegnete ihm nur von einer Seite – von Donald Trump.

Fehlende Würde

Der Fotojournalist will Trump jetzt eine Grenze setzen: Viele Menschen hätten dessen populistische Aktivitäten genau verfolgt, von dessen Wandlungsfähigkeit wollen sie sich nicht täuschen lassen. Trump sei kein Vermittler, hätte nicht die Würde eines Präsidenten. Niemand werde vergessen, mit welcher Hingabe er Vorurteile und Gewalt geschürt habe, schreibt Stanton.

Das Projekt «Humans of New York» betreibt der Ex-Börsianer schon seit einigen Jahren. Rund 16 Millionen Leute folgen ihm auf Facebook. Einen echten Rekord hat Stanton mit dem Post jedoch lediglich bezogen auf den US-Wahlkampf aufgestellt. Häufiger geteilt wurde der Beitrag eines jungen Mädchens zum Thema Mobbing (mehr als vier Millionen Mal) oder eine Anleitung zum Backen eines Apfelküchleins (mehr als sechs Millionen Mal).

Dieser Artikel erschien zuerst auf «Kompakt» unter dem Titel «Offener Brief an Trump bricht Facebook-Rekorde».