Für Weiterbildungen dürften in der Schweiz jährlich rund 5,3 Milliarden Franken aufgewendet werden. Erhoben wurde diese Zahl allerdings bereits 2007. Eine Umfrage der Nachrichtenagentur SDA bei Fachhochschulen zeigt, dass deren Umsätze innert zehn Jahren zum Teil deutlich gestiegen sind.

Weiterbildung ist allerdings nicht gleich Weiterbildung. Das neue Weiterbildungsgesetz (Webig) nennt als Weiterbildung lediglich Kurse, Seminare oder Privatunterricht. Nicht darunter laufen die von Hochschulen und Fachhochschulen angebotenen CAS-, MAS- oder DAS-Studiengänge.

Auf Wachstumskurs

Diese setzen in der Regel einen akademischen oder gleichwertigen Abschluss voraus. Personen, denen Grundkompetenzen im Sinne des Webig fehlen, sind daher nicht zugelassen. Laut dem Bildungsbericht 2014 des Bundes verfügen aber zwischen 40 und 60 Prozent der Teilnehmenden an Weiterbildungen von Hochschulen über keinen Hochschulabschluss.

Eine Kurzumfrage zeigt, dass einige Fachhochschulen und Hochschulen erfolgreich auf dem laut Bildungsexperten stagnierenden Weiterbildungsmarkt agieren. So sind an der Hochschule Luzern (HSLU) die Weiterbildungserträge in den letzten zehn Jahren von knapp 18 Millionen auf inzwischen deutlich über 25 Millionen Franken angestiegen. Auffallend ist der markante Anstieg von 2007 auf 2008 um rund 3 Millionen Franken.

Erik Nagel, Vizedirektor des Departements Wirtschaft der Hochschule Luzern, rechnet für die kommenden Jahre mit einem geringen bis moderaten Wachstum der Weiterbildungsabteilung. Sprunghafte Anstiege werde es wohl nicht mehr geben.

Das liegt laut Nagel daran, dass zwar der Bedarf in den vergangenen Jahren durchaus gestiegen ist, aber auch die Konkurrenz im Markt massiv zugenommen hat. Man werde sich daher noch stärker als bis anhin durch qualitätsvolle Angebote behaupten müssen. Die Hochschule Luzern zählte 2015 knapp 4500 Studierende in der Weiterbildung.

«Gefragte Angebote»

Fast 5000 Teilnehmende besuchten eine Weiterbildung an der Universität Bern. Der Wachstumskurs halte an, obwohl die Konkurrenz härter geworden sei, heisst es auch hier. In den vergangenen 25 Jahren habe sich die Weiterbildung vom Nischenplayer zu einem relevanten Geschäftsfeld der Universität entwickelt.

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Mehr als stolze Zuwächse verzeichnet die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW). Laut Direktionspräsident Crispino Bergamaschi hat sich der Ertrag aus der Weiterbildung in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Das Wachstum sei zustande gekommen, obwohl der Bund die Weiterbildung an Fachhochschulen seit 2006 finanziell nicht mehr unterstütze.

Man habe «gefragte Angebote» geliefert, begründet Bergamaschi den Erfolg. In den letzten Jahren gebe es beispielsweise einen klaren Trend zur Modularisierung beziehungsweise zu kürzeren Weiterbildungsformaten. Weiterbildungen an der FHNW schlossen 2015 rund 2900 Personen mit Diplomen ab.

Nur leicht gestiegen ist das Weiterbildungsvolumen in den vergangenen Jahren bei der Berner Fachhochschule (BFH). Eine Wachstumsstrategie stehe aber nicht im Vordergrund, betont die Medienverantwortliche Carmen Iseli.

Für die BFH sei es vorrangig, dass alle Kursteilnehmenden auf ihrem Karriereweg mit hochwertiger Kompetenzentwicklung unterstützt würden. 2015 belegten rund 1900 Studierende eine Weiterbildung an der BFH.

Gut dreimal mehr Studierende besuchten eine Weiterbildung an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW). Schätzungen über die künftige Entwicklung der Studierendenzahlen werden keine abgegeben.

André Haelg vom Ressort Weiterbildung der ZHAW begründet dies damit, dass der Entscheid für einen Studiengang vom privaten und beruflichen Umfeld des Einzelnen, aber auch von der Entwicklungsgeschwindigkeit einer Branche abhänge. Eine entscheidende Rolle spiele zudem die Konjunkturlage.

Vor Konsolidierung

Das neue Bundesgesetz dürfte nach Ansicht der Vertreter der Fachhochschulen marginale Auswirkungen auf den Weiterbildungsmarkt haben: Da grosser Wert auf Qualität und Wettbewerb gelegt werde, müssten sich Anbieter künftig noch stärker durch gute Angebote unterscheiden, glaubt man bei der ZHAW. Wer ungenügende Produkte anbiete, dürfte über kurz oder lang verschwinden. Der Markt werde sich daher konsolidieren.

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HSLU-Vizedirektor Nagel erinnert daran, dass das WeBiG festschreibe, dass die staatliche Durchführung, Förderung oder Unterstützung von Weiterbildung den Wettbewerb nicht beeinträchtigen dürfe. Weiterbildung müsse daher zu kostendeckenden Preisen angeboten und dürfe nicht quersubventioniert werden.

(sda/chb)