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Kommentar
Fall Hoeness: Kein Entrinnen aus dem Dschungelcamp

Samuel Gerber, Ressortleiter Finanz «Handelszeitung».

Der Münchner Prozess gegen Hoeness ist die Demontage pur - auch für die Banken.

Von Samuel Gerber
am 12.03.2014

Der Live-Ticker aus dem Gerichtssaal 134 in München sendet minütlich Details zum letzten Akt von Uli Hoeness’ Drama. Das Publikum ist mit dabei, wie der FC-Bayern-Präsident «puterrot» anläuft, als auskommt, wie viel Geld er am -Fiskus vorbeischleuste: 27 Millionen Euro. Die Gerichtsreporter gehen davon aus, dass es für den Angeklagten «nun kaum noch enger» kommen kann.

Hoeness’ tiefer Fall ist auch für die Schweizer Banken eine Demontage

Der Münchner Prozess ist Demontage pur. Wie TV-Sternchen, die in Reality-Shows vor einem Teller Taranteln den letzten Glanz verlieren, löst sich auch das Image von Hoeness als seriösem Unternehmer und Sportmanager in Luft auf. Übrig bleibt das Zerrbild eines Zockers, der jährlich zigtausende Trades mit Devisen tätigte und diese Sucht selbst vor seiner Frau geheim hielt. Immerhin, Hoeness ist nicht der einzige Prominente, dem die Steuerflucht zum persönlichen «Dschungelcamp» wurde. Frauenrechtlerin Alice Schwarzer, Ex-Deutsche-Post-Chef Klaus Zumwinkel und der ehemalige «Zeit»-Chefredaktor Theo Sommer – sie alle waren zu peinlichen Enthüllungen gezwungen.

Demontiert wurde in all diesen Fällen auch der Nimbus der Banken, welche die Schwarzgelder der Prominenten willkommen hiessen. Die Geschichte vom Devisenhändler der Zürcher Bank Vontobel, der fast täglich Hoeness’ Order entgegennahm, ging um die Welt. Und vor dem inneren Auge malt man sich aus, wie die feinen Privatbankiers von Lienhardt & Partner die Banknoten aus Schwarzers Mülltüten fischten.

Weitere Demontagen sind garantiert. Denn nach wie vor werden den deutschen Steuerfahndern gestohlene Kundendaten angeboten – die jüngsten Datenlecks bei der Julius Bär und der Bank Leumi in der Schweiz dürften nicht die letzten bleiben. Für die ausländischen Behörden ging die Rechnung jedesmal auf. Insbesondere der Fall Hoeness führte in Deutschland zu einer richtiggehenden Lawine von Selbstanzeigen und brachte die hiesigen Banken bei der Umsetzung ihrer Weissgeldstrategie ein gutes Stück voran. Doch eben nur ein Stück weit.

Automatischer Informationsaustausch kann nicht schnell genug kommen

Dass nun OECD und EU den automatischen Informationsaustausch über Kundendaten mit Hochdruck vorantreiben, kommt der Schweiz zumindest in dieser Hinsicht nicht ungelegen. Denn die Einführung des Standards würde es erlauben, ein für allemal reinen Tisch bezüglich ausländischem Schwarzgeld zu machen. Der EU-Steuerkommissar Algirdas Semeta hofft, bereits Ende Jahr ein Abkommen mit der Schweiz abschliessen zu können. Führende Banker stellen sich bereits darauf ein. «In drei Jahren ist alles ausländische Geld in der Schweiz deklariert», sagte jüngst etwa Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz im Gespräch mit der «Handelszeitung».

Damit wäre allerdings auch das Bankgeheimnis endgültig Makulatur. Politik wie Finanzplatz müssten sich deshalb überlegen, wie künftig die Privatsphäre von Bankkunden zu schützen ist. Die Banken jedenfalls dürften leises Inforauschen dem täglichen Dschungelcamp vorziehen.

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