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Justiz
Fall Hoeness: Statt Abschluss jede Menge Fragen

Uli Hoeness: Seine Verteidiger Bernd Gross, Hanns W. Feigen und Markus Goetzens.   Keystone

Nach dem Entscheid der Staatsanwaltschaft, den Fall Hoeness nicht weiterzuziehen, reisst die Flut an Fragen um den Steuerfall nicht ab. Eine Bestandesaufnahme – mit einer weiteren Spur in die Schweiz.

Veröffentlicht am 18.03.2014

Der Entscheid der Staatsanwaltschaft, gegen das Hoeness-Urteil des Landesgerichts München nicht in Revision zu gehen, provoziert einige Fragen.

Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» bezweifelt, dass die neuen 70'000 Transaktionsdokumente der Bank Vontobel, die Hoeness' Anwälte erst kurz vor Prozessbeginn dem Gericht präsentierten, sorgfältig genug analysiert wurden. Diese «Verspätung» kann nicht der Bank angelastet werden, sondern dürfte eine clevere Taktik der Anwälte gewesen sein.

Was steckte hinter dem Adidas-Deal?

Schon in der Vergangenheit stellten verschiedene Zeitungen die Frage, woher ums Jahr 2000 Hoeness «Startkapital» von 5 Millionen Deutsche Mark sowie weiteren 15 Millionen D-Mark, für die der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus bürgte, wirklich stammte. Fakt ist, dass Adidas kurz danach als Gesellschafter der FC Bayern AG aufgenommen wurde. Für den Sportartikelkonzern war diese Partnerschaft von enormer Bedeutung.

Woher kamen die Kredite?

Fragen gibt es auch zu den enormen Gewinnsprüngen, die Hoeness bei der Bank Vontobel realisierte – von 5 Millionen auf zwischenzeitlich 150 Millionen Euro. Für die Devisenzockereien brauchte Hoeness nur wenig Eigenkapital, bei Vontobel sind es 10 Prozent, der Hebel ist enorm. Der Rest des Einsatzes kommt von der Bank – wohl durch Kredite an Hoeness.

Dieser hat an einem Tag zweifache Millionenresultate erzielt, dann musste das totale Risiko dreistellig gewesen sein, schreibt «Insideparadeplatz» und stellt die Frage, wie Vontobel das Risiko Hoeness intern anging. Und woher die zusätzlichen Gelder kamen, wenn Vontobel-Sprecher Reto Giudicetti sagt: «Vontobel betreibt Kreditgeschäfte nur auf gedeckter Basis.»

Hoeness, ein technik-unkundiger Heavy-Trader?

Wie war es Hoeness möglich, bis zu 30 Börsentransaktionen täglich nur mit seinem Pager abzuwickeln? Wie hat er den Überblick über die Kursverläufe behalten? Zumal er in der Presse gerne damit kokettierte, keinen Computer im Büro stehen zu haben und mit moderner Technik nichts anfangen zu können?

Spielt eine weitere Schweizer Bank mit?

Die «Taz» wirft zudem die Frage auf, ob alle Hoeness-Konti in der Schweiz durchforstet wurden – und bringt die Graubündner Kantonalbank ins Spiel. Die Zeitung fragt, was er im Mai vergangenen Jahres eine Stunde lang in einer ihrer Filiale gemacht hatte?

Warum schliefen die Steuerfahnder?

Der «Spiegel» berichtet in seiner neusten Ausgabe, dass sich bereits im Jahr 2010 ein Whistleblower bei der Mainzer Kanzlei Hoffmann & Partner meldete und sie vom Fall Hoeness unterrichtete. Warum war die bayerische Steuerfahndung also nicht bereits damals Hoeness auf der Spur?

(chb/vst)

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