Sechs Wochen vor Beginn der Fussball-Europameisterschaft hat eine Anschlagsserie die Ukraine erschüttert. Innerhalb weniger Minuten detonierten am Freitag vier Bomben an belebten Plätzen der ostukrainischen Stadt Dnjepropetrowsk, aus der die inhaftierte Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko stammt.

Nach Angaben des Innenministeriums in Kiew wurden mindestens 29 Menschen verletzt, darunter 10 Kinder. 5 der Opfer seien Schwerverletzte. Die Staatsanwaltschaft sprach von einem Terroranschlag.

Als erstes explodierte an einer Strassenbahnhaltestelle ein Sprengkörper, der in einem Abfalleimer versteckt war. Kurz darauf ereigneten sich laut Polizei mindestens drei weitere Explosionen, unter anderem am Bahnhof und nahe der Oper der 1,1 Millionen Einwohner zählenden Stadt.

Kein Bekennerschreiben

Augenzeugen berichteten im Internet von Panik und tumultartigen Szenen. Das Mobilfunknetz der viertgrössten Stadt der Ukraine brach zeitweise zusammen. Ein fünfter Sprengsatz wurde laut Innenministerium entschärft.

Hinweise auf die Täter gab es zunächst nicht. Es habe weder Anschlagsdrohungen noch ein Bekennerschreiben gegeben, hiess es.

Präsident Viktor Janukowitsch beauftragte den Geheimdienst SBU und das Innenministerium mit der sofortigen Untersuchung der Explosionen. «Wir werden die richtige Antwort geben», betonte der Staatschef.

Uefa: Keine neue Sicherheitsmassnahmen

Die Ukraine ist vom 8. Juni an zusammen mit Polen Gastgeber der Fussball-Europameisterschaft. Dnjepropetrowsk ist kein Austragungsort der Fussball-EM. Die Europäische Fussball-Union Uefa sah zunächst keine unmittelbare Veranlassung zu neuen EM-Sicherheitsmassnahmen.

Die Regierung in Kiew steht wegen des Umgangs mit Oppositionellen unter internationalem Druck. Vor allem die Behandlung der wegen Amtsmissbrauchs verurteilten und an einem Bandscheibenvorfall leidenden Julia Timoschenko hat Proteststürme ausgelöst.

Timoschenkos Gesundheit verschlechtert

Die politische Lage hatte sich in der Ukraine zugespitzt, nachdem Timoschenko über Misshandlungen im Gefängnis geklagt hatte. Die Korruptions-Prozesse gegen sie und andere Mitglieder der früheren Regierung sind in ihren Augen Schauprozesse, um die Opposition mundtot zu machen.

Timoschenko hatte erklärt, sie sei in den Bauch geschlagen und aus dem Bett gezerrt worden. Die Justizbehörden wiesen dies zurück. Aus Protest trat sie in einen Hungerstreik. Sie sitzt eine siebenjährige Haftstrafe ab, weitere Verfahren wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung und des Betrugs stehen noch aus.

(tno/sda)