Bei den Ausland-Amerikanern in der Schweiz regt sich Widerstand gegen die eigene Regierung, wie die Zeitung «Der Sonntag» berichtet. Grund ist der «Foreign Account Tax Compliance Act», der seit 2010 in Kraft ist. Damit versucht die US-Regierung, Steuerflüchtlingen auf die Schliche zu kommen. Die «Americans in Switzerland Working Group» (AMISWG) organisierte deshalb dieses Jahr mehrere Versammlungen in den Städten Genf, Bern, Lausanne, Basel und Zürich.

Die Vereinigung besteht sowohl aus Demokraten als auch Republikanern. «Bei jedem Town Hall Meeting kamen zwischen 80 und 150 Leute», sagt Edward Karr, AMISWG-Vertreter, Co-Vorsteher der Republikaner in der Schweiz und Präsident des American International Club of Geneva. Auch US-Botschafter Donald S. Beyer war an jedem Anlass anwesend. «Die Leute haben Angst und sind traurig, wie sie von der amerikanischen Regierung behandelt werden», sagt Karr.

AMISWG hat die Eindrücke aus den Veranstaltungen zu einem Report zusammengefasst. «Wir haben diesen Report kürzlich allen Kongress- und Senatsmitgliedern sowie dem Weissen Haus geschickt», sagt Edward Karr. US-Botschafter Beyer will keine Flagge bekennen. Botschaftssprecher Alexander Daniels sagt aber, man habe die wichtigsten Punkte des Reports in Form eines Telegrams nach Washington geschickt, ohne diese aber ausdrücklich zu unterstützen oder zu werten.

Auch in anderen Ländern seien Millionen von Landsmännern und -Frauen im Visier der US-Steuerfahndung, sagt Karr. «Aber in der Schweiz ist der Druck am stärksten wegen des Schweizer Bankgeheimnisses.» Die Townhall Meetings seien sehr emotional gewesen, sagt Karr. Binationale Ehen seien zunehmend Stresssituationen ausgesetzt, sagt Karr. «Bei den Treffen brachen einige Frauen in Tränen aus, da ihre Ehepartner kein gemeinsames Konto haben beziehungsweise ihre Kontoinformationen nicht mit der US-Regierung teilen wollen.» Deswegen sei es auch schon zu Scheidungen gekommen.

(jev)

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