In der Waadt ist beim zweiten Wahlgang für den Ständerat der Grüne Luc Recordon überraschend abgewählt worden. Er musste seinen Sitz an Olivier Français (FDP) abtreten. Christian Levrat konnte im Kanton Freiburg den Angriff von Jean-François Rime (SVP) locker abwehren.

Weil die Schlussresultate in der Waadt wegen einer Nachzählung in Prilly VD auf sich warten liessen, begann die FDP schon vor der definitiven Bestätigung zu feiern. Dank einem Vorsprung von über 3200 Stimmen von Olivier Français auf Luc Recordon konnte die FDP auf den Wahlsieg anstossen.

Als in Prilly endlich ausgezählt war, waren es noch 3096 Stimmen Vorsprung. Den Wahlsieg von Français hatte niemand erwartet. Im ersten Wahlgang am 18. Oktober war der FDP-Nationalrat noch knapp 14'000 Stimmen hinter Recordon zurückgeblieben. Zudem hatte sich die SVP nicht für Olivier Français ausgesprochen, sondern Stimmfreigabe beschlossen. Dennoch spielte die Unterstützung im bürgerlichen Lager offenbar sehr gut.

Massiv aufgeholt

Nicht das links-grüne Duo Géraldine Savary (SP) und Luc Recordon (Grüne) war eingebrochen, sondern Français hatte massiv aufgeholt. So musste Savary ihrem neuen Ständeratskollegen Français zur Wahl gratulieren.

Der 60-jährige ETH-Ingenieur sitzt seit acht Jahren im Nationalrat und engagiert sich vor allem für Bau und Verkehr. In der Waadt machte er sich als Vater der Métrolinie M2, welche vom See bis in den Norden der Stadt hoch führt, einen Namen.

Dem passionierten Bergsteiger war die Genugtuung am Sonntag im Wahllokal der Staatskanzlei anzusehen. Er sei ins Rennen gestiegen, um zu gewinnen, hielt er fest. Luc Recordons Karriere im Bundeshaus fand am Sonntag hingegen ein Ende.

Recordon tritt Nationalratssitz an Thorens ab

Luc Recordon verzichtete nach der Abwahl darauf, seine Wahl in den Nationalrat vom 18. Oktober anzunehmen. Stattdessen überliess er den Sitz der Co-Präsidentin der Grünen Partei Schweiz, Adèle Thorens. Diese hatte die Wiederwahl hinter dem Lausanner Stadtpräsidenten Daniel Brélaz und Luc Recordon verpasst.

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«Wir Ü-60 Elefanten sollten eine junge, dynamische und äusserst engagierte Frau nicht blockieren», sagte Recordon der Nachrichtenagentur sda. Auch für die Grünen sei es ein weiterer Schlag. Er hoffe umso mehr, dass Bastien Girod in zwei Wochen in Zürich gewählt werde.

Ebenfalls bangen mussten seit den nationalen Wahlen die Waadtländer Nationalräte Jean Christophe Schwaab (SP) und Fathi Derder (FDP). Sie können nach der Wiederwahl ihrer Parteikollegen Savary und Français ebenfalls in den Nationalrat zurückkehren.

Angriffe in Freiburg und Genf gescheitert

Beim zweiten Wahlgang der Freiburger Ständeratswahlen blieb die Überraschung hingegen aus. Der Präsident der SP Schweiz, Christian Levrat, wurde mit dem besten Resultat klar wieder gewählt. Auch die CVP konnten den Sitz des abtretenden Urs Schwaller mit den Freiburger Regierungsrat Beat Vonlanthen verteidigen.

Der Angriff der SVP blieb erfolglos. Die SVP hatte seit dem ersten Wahlgang vom 18. Oktober sogar den Kandidaten ausgetauscht und anstatt Emanuel Waeber den Nationalrat und Präsidenten des schweizerischen Gewerbeverbands, Jean-François Rime, ins Rennen geschickt. Er blieb jedoch über 20'000 Stimmen hinter Levrat zurück.

Levrat zeigte sich sichtlich erleichtert über den Ausgang. Mit der Wahl eines links-rechten und französisch-deutschsprachigen Duos habe die Bevölkerung die Freiburger «Zauberformel» bestätigt, die für den Kanton im Ständerat gute Arbeit leiste.

Keine Chance hatten die Bürgerlichen Herausforderer von FDP, SVP und MCG in Genf. Sie hatten sich nicht auf einen Schulterschluss einigen können. Das verhalf den Bisherigen Liliane Maury Pasquier (SP) und Robert Cramer (Grüne) zur Wiederwahl.

Kein Ständeratssitz für die SVP in der Romandie

Die SVP muss sich auch nach den Wahlen 2015 und als landesweit wählerstärkste Partei weiter auf einen Ständeratssitz in der Romandie gedulden. Die FDP konnte neben dem Sitz von Raphaël Comte im Kanton Neuenburg in der Waadt einen zweiten Sitz erringen.

Die SP stellt in der kleinen Kammer mit fünf Ständeratsmitgliedern nach wie vor die grösste Westschweizer Delegation, vor der CVP mit vier Ständeräten. Die Grünen verfügen nur noch über ein einziges Mandat aus Genf.

(sda/dbe)