1. Home
  2. Politik
  3. Festnahme: Zwei weitere Fifa-Funktionäre sind in Haft

Justiz
Festnahme: Zwei weitere Fifa-Funktionäre sind in Haft

Bau au Lac: Die Polizisten betraten am frühen Morgen das Nobelhotel. Keystone

Es ist ein Déjà-vu: Schon wieder sind Funktionäre der Fifa in Zürich festgenommen worden. Diesmal waren wohl zwei Offizielle aus Mittel- und Südamerika Ziel der Verhaftungsaktion.

Veröffentlicht am 03.12.2015

Erneut sind in einem Zürcher Luxushotel zwei hochrangige Funktionäre des Weltfussballverbands FIFA festgenommen worden. Dabei soll es sich um Juan Angel Napout aus Paraguay und Alfredo Hawit Banegas aus Honduras handeln. Sie werden verdächtigt, Bestechungsgelder in Millionenhöhe angenommen zu haben.

Die Kantonspolizei Zürich nahm die beiden Funktionäre am frühen Donnerstagmorgen fest. Sie wurden in Auslieferungshaft genommen, wie das Bundesamt für Justiz (BJ) mitteilte. Die Namen der beiden Funktionäre will das BJ im Verlaufe des Tages bekannt geben. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa soll es sich aber um die Vizepräsidenten Juan Angel Napout (Paraguay) und Alfredo Hawit Banegas (Honduras) handeln.

Aktion im Morgengrauen

Zu den Festnahmen kam es im Zürcher Hotel Baur au Lac, wie die «New York Times» berichtete. Die Polizei habe das Hotel um 6.00 Uhr durch einen Seiteneingang betreten. Im gleichen Hotel hatte es bereits Ende Mai am Rande einer FIFA-Sitzung Durchsuchungen gegeben. Sieben Funktionäre waren damals festgenommen worden.

Die beiden FIFA-Funktionäre waren im Verlauf der Ermittlungen der für den Bezirk Ost von New York zuständigen Staatsanwaltschaft ins Visier der Justiz geraten. Das US-Justizministerium stellte in der Folge am 29. November sogenannte Verhaftsersuchen.

Schmiergeld für Vermarktungsrechte

Die zwei FIFA-Funktionäre werden demnach verdächtigt, Bestechungsgelder entgegengenommen zu haben, wie das BJ schrieb. Sie sollen diese Gelder als Gegenleistung für den Verkauf von Vermarktungsrechten im Zusammenhang mit der Austragung von Fussballturnieren in Lateinamerika und von WM-Qualifikationsspielen erhalten haben.

Die Straftaten seien gemäss Verhaftsersuchen teilweise in den USA abgesprochen und vorbereitet worden, teilte das BJ weiter mit. Zudem seien Zahlungen über US-Banken abgewickelt worden.

Anhörung im Tagesverlauf

Die FIFA meldete sich am Donnerstagmorgen in einer schriftlichen Stellungnahme zu Wort. «Wir haben Kenntnis von den Aktionen, die heute vom US-Justizministerium durchgeführt wurden», hiess es darin. Die beiden Festgenommen sollen gemäss BJ noch am Donnerstag von der Kantonspolizei Zürich angehört werden. Erklären sie sich mit der sofortigen Auslieferung einverstanden, wird ein sogenanntes vereinfachtes Verfahren durchgeführt.

Das BJ kann in diesem Fall unverzüglich die Auslieferung an die USA bewilligen und den Vollzug veranlassen. Widersetzen sie sich der Auslieferung, wird das BJ die USA auffordern, ein formelles Auslieferungsgesuch zu stellen.

Courant normal bei der Fifa

Die Festnahmen fanden kurz vor weiteren Beratungen des FIFA-Exekutivkomitees in Zürich statt. Am Donnerstag sollte in der Verbandszentrale die zweitägige Sitzung der FIFA-Exekutive fortgesetzt werden. Das Treffen soll trotz der Festnahmen wie geplant fortgesetzt werden, wie die dpa berichtete.

Nicht dabei sind Joseph Blatter und Michel Platini. Nach den Festnahmen Ende Mai war Blatter als FIFA-Präsident zwar wiedergewählt worden. Er trat jedoch kurz darauf zurück und ist derzeit ebenso suspendiert wie UEFA-Chef Platini.

Zwei Funktionäre ausgeliefert

Von den sieben ehemaligen FIFA-Funktionären, die Ende Mai verhaftet worden waren, sind bisher zwei an die USA ausgeliefert worden: Jeffrey Webb und José Maria Marin. Sie hatten der vereinfachten Auslieferung zugestimmt.

Die anderen fünf - Eugenio Figueredo, Eduardo Li, Julio Rocha, Costas Takkas und Rafael Esquivel - widersetzen sich einer Auslieferung an die USA. Ihre Beschwerden gegen die Auslieferungsentscheide des BJ sind beim Bundesstrafgericht hängig.

Mehrere Kontensperrungen

Zudem hat das BJ in der Schweiz auf verschiedenen Banken eine Reihe von Konten, über welche die Bestechungsgelder geflossen sein sollen, gesperrt. Bisher habe das BJ in fünf Teil-Schlussverfügungen die Herausgabe von Bankunterlagen angeordnet, hiess es in der Medienmitteilung vom Donnerstag. Diese sind jedoch noch nicht rechtskräftig.

(sda/mbü)

Anzeige