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Konflikt
Feuerpause in Syrien: Kaum einer traut der Ruhe

Spielplatz in Duma: In der Stadt nahe Damaskus soll es zuletzt zu Luftangriffen gekommen sein. Keystone

Seit 18:00 Uhr am Montagabend sollen in Syrien die Waffen schweigen. Das hatten Russland und die USA ausgehandelt. Noch ist unklar, ob sich alle Parteien an die Abmachung halten.

Veröffentlicht am 12.09.2016

Für die Regierungsgegner in Syrien musste der Auftritt wie Hohn wirken: Kaum zwei Wochen nachdem die Rebellen den jahrelang umkämpften Damaszener Vorort Daraja aufgegeben und die Trümmerlandschaft dem Regime überlassen hatten, zeigte sich Machthaber Baschar al-Assad beim öffentlichen Gebet mitten in der Stadt.

Akkurat im grauen Anzug zelebrierte er den Beginn des muslimischen Opferfestes, während Kampfflugzeuge in vielen Teilen des Landes Angriffe flogen. Einige Stunden später schwiegen die Waffen dann erstmals seit Monaten in weiten Teilen des Landes. Ob die Feuerpause halten wird, war aber unklar.

«Waffenruhe ist ein Witz»

«Die Waffenruhe ist doch ein Witz», sagt Raed, der mit seinen drei Kindern im Ostteil der nordsyrischen Metropole Aleppo lebt. «In der Vergangenheit hat das Regime solche Ankündigungen immer nur genutzt, um Gebiete zu erobern und uns zu bombardieren.»

Ihm ist nicht nach feiern zumute, auch wenn das Opferfest, das Eid al-Adha, der höchste islamische Feiertag ist. «Ich habe meinen Kindern gesagt, dass es in diesem Jahr keine neue Kleidung gibt. Wir müssen das Geld sparen, um Essen zu kaufen.»

Feierstimmung bleibt aus

Die Strassen in Städten wie Aleppo oder Idlib sind leer. Die Menschen bleiben in den Häusern. Kampfflugzeuge donnerten bis Montag kurz vor Beginn der Feuerpause über graue Häuser und Ruinenfelder hinweg, berichteten Bewohner. «In Eid-Stimmung ist hier niemand», sagt Ibrahim al-Hadsch von der lokalen Hilfsorganisation Weisshelme in Aleppo. «Die Menschen leben von Tag zu Tag. Sie fürchten eher, dass es noch schlimmer wird.»

Kurz vor Beginn der Waffenruhe hatten die Luftangriffe noch einmal zugenommen. Kaum hatten US-Aussenminister John Kerry und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow am Samstag den Plan zur Waffenruhe verkündet, fielen wieder Bomben. Allein am vergangenen Wochenende starben mehr als 100 Zivilisten bei Luftangriffen.

Islamistische Miliz lehnt Abmachung ab

In einem Schreiben an den US-Sondergesandten für Syrien, Michael Ratney, forderten einige bewaffnete Rebellengruppen «Garantien» für die Einhaltung der Waffenruhe. Der Argwohn ist gross. Grundsätzlich aber äusserten sie sich positiv zu dem Deal. Die einflussreiche islamistische Miliz Ahrar al-Scham lehnte die Abmachung in einer Videobotschaft indes ab.

Die Situation in Syrien bleibt deshalb weiterhin äusserst fragil. Die kleinste Verletzung der Waffenruhe könnte zu einem Scheitern der gesamten Absprachen führen und neue Friedensverhandlungen weiter in die Ferne treiben. Die Konfliktparteien hatten sich vor dem Moment, in dem Ruhe in Syrien einkehren sollte, aber auch verbal alles andere als zurückhaltend gezeigt.

Frontlinien verändern sich

Assad nutzte seinen öffentlichen Auftritt zum Opferfest, um zu betonen, dass seine Truppen alle Gebiete Syriens zurück unter ihre Kontrolle bringen werden. Seine Armeeführung jedoch sagte später - Minuten nach Inkrafttreten der Feuerpause -, sie wolle die Kämpfe mit den Rebellen zumindest für sieben Tage einstellen. Kurzzeitig könnte die Waffenruhe der notleidenden Bevölkerung zumindest ein wenig Erholung zu den Feiertagen bringen und die Versorgung mit dringend benötigten Hilfsgütern ermöglichen.

Ein Ende der Kämpfe dauerhaft zu erreichen aber wird extrem schwer. Denn zu viele Akteure sind inzwischen in dem Konflikt involviert. Die Frontlinien wogen ständig hin und her. Auch weil, wie es der amerikanische Nahost-Forscher Michael Stephens sagt, «kein Akteur bereit ist, so viel Blut und Mittel einzusetzen, damit seine Stellvertreter auf dem Schlachtfeld den Krieg wirklich gewinnen».

(sda/cfr)

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