Die hauseigene Ethikkommission hat den Weltfussballverband reingewaschen: Der Fifa können «keine Verstösse gegen relevante Regeln und Regulierungen» bei der WM-Vergabe 2018 und 2022 nachgewiesen werden, heisst es in dem heute veröffentlichten Bericht. Die Weltmeisterschaften werden dementsprechend nicht neu vergeben.

Die Fifa begrüsste das Ergebnis erwartungsgemäss – doch die Kritik liess nicht lange auf warten. Und die kommt überraschenderweise von Chefinvestigator Michael Garcia persönlich. Der New Yorker Starjurist hatte die Untersuchung selbst angeschoben, die Auswertung der Daten übernahm der deutsche Richter Hans-Joachim Eckert. Die von ihm gesammelten Daten sieht er als «fehlinterpretiert» an.

Debatte um WM 2022 kocht sofort wieder hoch

Die Untersuchung war durch den Verdacht schwerwiegender Bestechung ausgelöst worden. Medienberichten zufolge waren als Gegenleistung für die Wahl des Golf-Emirats als Austragungsort fünf Millionen Dollar geflossen. Es ist nicht so, dass die Fifa-Ethikkommission in ihrem 42-seitigen Bericht nichts zu bemängeln gehabt hätte. Nur reichten entweder die Beweise nicht oder die Vorfälle hätten sich ausserhalb des Fifa-Einflussbereiches abgespielt, heisst es.

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Der Bericht enthalte «zahlreiche Unvollständigkeiten und eine fehlhafte Darstellung von Fakten und Schlussfolgerungen», sagt dagegen Garcia. Durch seine harten Worte nur vier Stunden nach der Publikation kocht die Debatte um die WM-Vergabe 2018 und 2022 sofort wieder hoch, nachdem sie befriedet sein sollte.

Russland stellt nur wenige Dokumente zur Verfügung

Die Ethikkommission hatte zwei Auswahlverfahren untersucht: die Entscheidungen für die WM 2018 in Russland und 2022 in Qatar. Den Sieg von Russland als austragende Nation spricht die Fifa von allen Vorwürfen der Manipulation frei. Allerdings ist in dem Bericht auch vermerkt, dass benötigte Dokumente nur in geringem Umfang bereitgestellt worden seien.

Anders Qatar: Hier sei die Kooperation umfassend gewesen, so der Bericht. Die Ethikkommission habe im Umfeld der Qatar-Delegation auch zwei Berater ausgemacht, deren Verhalten «besorgniserregend» gewesen sei. Da beide aber keine Fifa-Offiziellen seien, hätten sie nicht entsprechend belangt werden können.

Hammam bestach nur für seine eigene Wahl

Die Korruptionsvorwürfe gegen das frühere qatarische Mitglied des Fifa-Exekutivausschusses, Mohamed Bin Hammam, hätten nicht in Zusammenhang mit der WM-Vergabe gestanden. Hammam hatte 2012 sein Amt wegen der Zahlung von Bestechungsgeldern an mehrere Fussball-Funktionäre aufgeben müssen und ist mit einer lebenslänglichen Sperre belegt. Der Qatari hätte nicht versucht, für die WM-Vergabe nach Qatar zu werben. Die Beweise deuteten im Gegenteil stark darauf hin, dass Hammam die Zahlungen allein leistete, «um Stimmen für das Präsidentenamt zu sichern, für das er 2011 kandidierte».

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Der Schweizer Fifa-Präsident Sepp Blatter, der derzeit für seine fünfte Amtszeit kandidiert, wird dagegen von allen Vorwürfen freigesprochen. Er sei vielmehr eine treibende Kraft hinter der Entwicklung zu mehr Transparenz bei dem Vergabeprozess gewesen, so heisst es in dem Fifa-Bericht.