Ein Ausschuss des US-Senats hat am Mittwoch den Chef des US-Fussballverbandes zum Thema Fifa ins Kreuzverhör genommen. Generalsekretär Dan Flynn sagte aus, er habe bei Entscheidungen des Weltfussballverbandes schon seit längerem ein «ungutes Gefühl».

Bei der Befragung in Washington durch den Konsumentenschutz-Ausschuss, der auch für Sport zuständig ist, ging es sowohl um die Vorwürfe von Schmiergeldzahlungen bei WM-Vergaben als auch um die Ausbeutung von ausländischen Arbeitern auf WM-Baustellen in Katar.

Rascher Umbau gefordert

Mehrere Politiker nahmen Flynn ins Verhör und fragten ihn, warum er so lange untätig geblieben sei. Um an die Öffentlichkeit zu gehen, hätten ihm die «harten Fakten» gefehlt, sagte er. Angesichts des Korruptionsskandals forderte Flynn eine rasche Reform des Weltfussballverbands.

Flynn stellte in seiner vorformulierten Zeugenaussage zum Auftakt heraus: «Wir glauben, dass die Reform an der Spitze beginnen muss – angefangen bei der Wahl eines neuen Fifa-Chefs angesichts der Tatsache, dass Herr (Joseph) Blatter seinen Rücktritt angekündigt hat.»

Auf eine spätere Frage, was ihn skeptisch mit Blick auf den Weltverband werden liess, sagte Flynn: «Die Art, wie Jack Warner und Chuck Blazer ihre Treffen organisierten.» Warner und Blazer führten zeitweise gemeinsam den CONCACAF-Verband, der für Nord- und Zentralamerika sowie die Karibik zuständig ist und dem die USA angehören. Flynn antwortete mehrmals nur zögernd. Einmal begann er einen Satz, drehte sich dann zu jemandem in seinem Rücken um – und sagte schliesslich etwas anderes.

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Fifa muss Massstäben der Wirtschaft entsprechen

Mehrfach betonte er, er habe bei allen Zweifeln an der Integrität der Fifa nur zwei Möglichkeiten gesehen: Dass der US-Verband gar nicht mehr mitmachen könne oder dass man versuche, die Fifa von innen zu verändern. Der US-Verband habe den zweiten Weg gewählt.

Bei der Anhörung forderte Michael Hershman, Mitbegründer der Anti-Korruptionsorganisation Transparency International, an die Sportorganisationen ähnliche Kriterien für Transparenz und Anti-Korruptionsvorgaben anzulegen wie an Unternehmen in der Wirtschaft: «Die Fifa ist ein grosses Geschäft.» Sunjeev Bery von Amnesty International warf Katar, dem WM-Ausrichter 2022, vor, zugesagte Verbesserungen bei Menschenrechten und Arbeitsbedingungen nicht umgesetzt zu haben.
 

Die US-Justiz ermittelt seit längerem gegen Fifa-Verantwortliche und liess am 27. Mai in Zürich sieben Funktionäre in Auslieferungshaft nehmen. Einer der Männer hat seiner Auslieferung an die USA unlängst zugestimmt. Er könnte in den kommenden Tagen dort eintreffen. Ein konkreter Name wurde bisher nicht bestätigt. Insgesamt wurden 14 Personen aus mehreren Ländern in dem jüngsten Fussball-Skandal vom US-Justizministerium beschuldigt.

(sda/me/ama)