Wohl noch nie ist ein europäischer Finanzminister bei seinen Amtskollegen so stark angeeckt wie Yanis Varoufakis. Nun ist der Ökonom nach nicht einmal einem halben Jahr von seinem Posten zurückgetreten – obwohl die Griechen mit klarer Mehrheit dem Kurs der Regierung folgten. Zuvor hatte der Ökonom seinen Rückzug lediglich bei einem «Ja» in Aussicht gestellt.

Der Grieche beugte sich dem Druck aus Brüssel: Den meisten Finanzministern in Europa war Varoufakis ein rotes Tuch – kaum einer wollte mehr mit ihm verhandeln. Im April bei einem Treffen der Euro-Finanzminister in Riga offenbarte sich die riesige Kluft zwischen dem Ökonomen und seinen Kollegen besonders stark: Varoufakis war völlig isoliert.

«Gewisse Präferenz», dass Varoufakis nicht mehr teilnimmt

Diesen Umstand nannte der Grieche heute denn auch als Grund für seinen Rückzug: Seine Kollegen hätten nach dem gestrigen Votum eine «gewisse Präferenz» dafür geäussert, dass Varoufakis an den Treffen der Euro-Gruppe nicht mehr teilnehme, schrieb Varoufakis in seinem Blog.

Gleichzeitig will offenbar Griechenlands Premier Alexis Tsipras selbst nicht mehr auf die Dienste des Ökonomen setzen, sondern mit einem neuen Gesicht möglichst rasch eine Einigung erzielen. Der neue starke Mann ist Euklid Tsakalotos. Er ist nicht so extravagant wie Motorradfahrer und Blogger Varoufakis – doch gilt durchaus als fähig. Wie tickt Varoufakis' Nachfolger?

Tsakalotos ist Oxford-Ökonom und gilt als Gehirn von Syriza

Im Gegensatz zu Varoufakis ist Tsakalotos innerhalb der linksradikalen Syriza-Partei kein Aussenseiter. Varoufakis ist nicht einmal Mitglied des Bündnisses, Tsakalotos wurde hingegen schon 2012 für Syriza ins griechische Parlament gewählt. Seit über zehn Jahren ist der 55-Jährige, der in Rotterdam geboren wurde, Mitglied der Partei und sitzt dort auch im Zentralkomitee. Er gilt als fleissiger Arbeiter – als «unauffällig und leise».

Wie Varoufakis ist Tsakalotos Ökonom. Ausgebildet wurde er an der englischen Elite-Uni Oxford und gilt als das Gehirn der Wirtschaftspolitik von Syriza. 2013 führte er die Krise Griechenlands in seinem Buch «Crucible of Resistance: Greece, the Eurozone & the World Economic Crisis» auf eine zwei Jahrzehnte andauernde Neo-Liberalisierung der Wirtschaft zurück.

Bereits heute koordiniert Tsakalotos die Gespräche

Tsakalotos scheint umgänglicher als Varoufakis zu sein. Seit die Verhandlungen von Varoufakis mit seinen Amtskollegen in Riga scheiterten, koordinidiert Tsakalotos die Gespräche mit der Euro-Gruppe. Leichter als Varoufakis dürfte er es dennoch nicht haben. Das bekräftigte heute bereits der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble. Wer immer auf Varoufakis folgen werde, er werde in der «nicht einfachen» Situation sein, mit seinen Kollegen aus den anderen Euro-Länder eine Lösung im Schuldenstreit zu finden.

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Das sagt die Presse zum Nein der Griechen

1|10

«Griechen lehnen Sparkurs ab», vermeldet die «Süddeutsche Zeitung» und weist auf die Angst der Behörden vor Unruhen hin.