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SNB-Entscheid
Finanzvorstand räumt bei Franken-Krediten Fehler ein

Bochum und Finanzvorstand Manfred Busch: Kredite in Franken. Stadt Bochum, Presse- und Informationsamt

Der Finanzvorstand der deutschen Stadt Bochum hat die Aufnahme von Krediten in Franken als Fehler bezeichnet. Ablösen will er sie zum aktuellen Kurs aber nicht.

Veröffentlicht am 23.01.2015

Nicht nur die deutsche Stadt Essen hat sich mit Franken-Krediten verspekuliert. Auch die Nachbarstadt Bochum hat im Jahr 2010 Kredite in Franken aufgenommen - zu einem Kurs von 1.46 Franken pro Euro. Nach dem Ende des Mindestkurses bezeichnet der Finanzvorstand der Stadt im Bundesland Nordrhein-Westfalen diesen Schritt nun als «Fehler» aus heutiger Sicht. Das berichtet die «Westdeutsche Allgemeine Zeitung» («WAZ») nach einer Sitzung des Stadtrates.

Das Risiko einer Aufwertung des Franken sei damals abgewogen, die Entwicklungen gerade der vergangenen Tage aber nicht absehbar gewesen, so der Bochumer Finanzvorstand Manfred Busch laut der Zeitung weiter. Vor dem «schwarzen Donnerstag», wie er den Tag des SNB-Entscheides laut « WAZ» nannte, hätte Bochum die Kredite für 180 Millionen Euro ablösen können. Heute wären dafür 221 Millionen Euro nötig. 

Warten auf einen besseren Kurs

«1.46 Franken zu einem Euro werden wir wohl nicht mehr sehen», zitiert das Blatt Busch weiter. «Aktuell müssen wir wohl eher noch mit einer weiteren Abschwächung rechnen.» Trotzdem wolle der Finanzvorstand die Kredite so lange verlängern, bis es wieder einen akzeptablen Kurs gebe. Was das genau heisst, soll demnach in einer der nächsten Sitzungen entschieden werden.

Bochum ist nicht die einzige Stadt in der Region, die seit dem Ende des Mindestkurses Probleme mit Franken-Krediten hat. In Nordrhein-Westfalen sind laut «WAZ» insgesamt 31 Städte und Kreise betroffen. Die Stadt Essen hält sogar Kredite in Höhe von 450 Millionen Franken.

Überraschung auch in Essen

«Ich dachte, dass es im Eigeninteresse der Schweiz liegt, dass die Nationalbank diesen Kurs hält, weil der Export sich nun dramatisch verteuert und die Schweiz als Tourismusland umgeben ist von Euro-Ländern», sagte Essens Finanzvorstand Lars Martin Klieve im Interview mit «handelszeitung.ch»: «Ich dachte, die Schweizer wären da die sichersten Verbündeten.» Dass die Nationalbank dies aufkündige, hätte er nicht erwartet. Auch Essen will die Entscheidung, wie es weitergeht mit den Krediten, noch nicht sofort treffen, sondern erst im Rahmen einer weiteren Finanzausschusssitzung.

Trotz der hohen Buchungsverluste der Städte will die nordrhein-westfälische Landesregierung Fremdwährungskredite auch künftig nicht verbieten, wie ebenfalls die «WAZ» berichtet. «Im Prinzip ist es in Ordnung, wenn Kommunen in der richtigen Risikomischung und mit entsprechender Absicherung Fremdwährungskredite aufnehmen», erklärte demnach die zuständige Abteilung des Innenministeriums im Landtag.

(tno)

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