Die Stadt Essen im Ruhrgebiet hat 450 Millionen an Franken-Krediten in den Büchern stehen. Sie zurückzuzahlen ist seit dem Ende des Mindestkurses Dutzende Millionen Euro teurer geworden. Das ist umso bitterer, da die Stadt eh schon finanziell angeschlagen ist.

Ende März soll der Rat des Stadt entscheiden, ob Essen aus den Krediten aussteigt oder nicht. Finanzvorstand Lars Martin Klieve und seine Finanzexperten empfehlen nun einen geordneten Rückzug aus allen Franken-Krediten. Das berichtet die «Westdeutsche Allgemeine Zeitung» («WAZ») in ihrer Online-Ausgabe.

«Gegenwärtige Unwägbarkeiten»

Der mögliche Ausstieg würde zum 10. April beginnen, wenn Kredite in Höhe von 60 Millionen Franken fällig werden, so die Zeitung. Der nächste Termin ist demnach der 8. Juli, zu dem 60,2 Millionen Franken zur Verlängerung anstehen. Zum 14. Oktober sind dann schliesslich sogar 329,8 Millionen Franken fällig.

Jeweils kurz vor den Terminen will Klieve die Ratsmitglieder dem Bericht zufolge aktuell informieren. Der Finanzvorstand  begründet seine Empfehlung zum schrittweisen Ausstieg mit «gegenwärtigen Unwägbarkeiten der anhaltenden Finanzmarktkrise».

Viele weitere Städte betroffen

«Die Kredite wurden 2002 aufgenommen und in der Eröffnungsbilanz zu einem Kurs von etwa 1.60 bilanziert», hatte Lars Martin Klieve kurz nach dem SNB-Entscheid im Interview mit handelszeitung.ch erklärt. «Wie fast alle Welt war ich davon ausgegangen, dass die Nationalbank weiter am Mindestkurs festhält. Ich hatte überhaupt nicht auf dem Schirm, dass das in Gefahr sein könnte.»

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Essen ist nicht die einzige Stadt in der Region, die seit dem Ende des Mindestkurses Probleme mit Franken-Krediten hat: Im Bundesland Nordrhein-Westfalen sind laut «WAZ» insgesamt 31 Städte und Kreise betroffen. So hat etwa die Stadt Bochum im Jahr 2010 Kredite in Franken aufgenommen - zu einem Kurs von 1.46 Franken pro Euro. Nach dem Ende des Mindestkurses bezeichnete der Finanzvorstand der Stadt diesen Schritt als «Fehler» aus heutiger Sicht.