Die Gemeinden im Norden, Osten und Westen des Flughafens Zürich spannen in Sachen Fluglärm zusammen. In einem am Dienstag in Bülach ZH vorgestellten Positionspapier werben sie für eine «faire Gesamtlösung» und für den Verzicht auf Pistenverlängerungen.

Die hauptbetroffenen Gemeinden in der Schweiz und in Süddeutschland seien bisher «nicht adäquat in die Entscheidungsfindung über die Abwicklung des Luftverkehrs am Flughafen Zürich und in die Erarbeitung eines entsprechenden Staatsvertrages mit einbezogen worden», heisst es im Positionspapier. Dies habe zu «unausgereiften Beschlüssen und langwierigen Blockaden zum Nachteil aller Beteiligten» geführt.

Die nun präsentierte «Konsenslösung» sieht eine aktivere Rolle für die vom Fluglärm betroffenen Gemeinden vor. Diese verlangen künftig «direkter und verbindlicher» in die Diskussion miteinbezogen zu werden, wie es in einer gemeinsame Mitteilung heisst.

«Faire Gesamtlösung»

Die Gemeinden streben eine «faire Gesamtlösung» an. Entsprechend wehren sie sich gegen die «Umverteilung des Fluglärms zur einseitigen Entlastung einzelner Regionen». Um eine gemeinsame Lösung zu erzielen, habe man sich von Partikularinteressen distanzieren müssen, hiess es an der Medienkonferenz.

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Die Gemeinden stünden hinter dem Flughafen, wollten aber Lösungen und Planungssicherheit. Die von ihnen vorgeschlagene Betriebsvariante baut auf der heutigen Betriebsvariante auf und sieht neben einem Süd-, Nord- und einem Ostkonzept auch Südstarts geradeaus vor.

Berücksichtigung süddeutscher Interessen

Laut Mitteilung handelt es sich um einen «fairen, betrieblich umsetzbaren Lastenausgleich zwischen allen Himmelsrichtungen und Regionen», der auch die süddeutschen Interessen berücksichtige. Vertreter des Landkreises Waldshut hätten zugesichert, das Positionspapier wohlwollend zu prüfen.

Das Positionspapier unterzeichnet haben 134 Gemeinden. Entstanden ist es unter Federführung der Behördenorganisationen IG-Nord, der Region Ost und der IG West. Nicht beteiligt war das Fluglärmforum Süd, dem 35 Gemeinden im Süden des Flughafens angehören.

Entflechten der Flugrouten

Der Flughafen will seinerseits aus Sicherheitsgründen die An- und Abflugrouten im Osten entflechten. Das von ihm entwickelte Betriebsreglement 2014 sieht hauptsächlich vor, dass während des Ostkonzepts alle Abflüge im südlichen Raum des Flughafens abgewickelt werden und alle Anflüge im Nordosten. Südstarts geradeaus sind in diesem Betriebsreglement nicht vorgesehen.

Dem am Dienstag präsentierten Vorschlag steht der Flughafen skeptisch gegenüber. Er berücksichtige «einseitig die Interessen bestimmter Himmelsrichtungen und blendet flugbetriebliche Aspekte sowie die Bevölkerungsdichte aus», heisst es in einer Stellungnahme. Der Fluglärmkonflikt werde aber nicht gelöst, wenn man die verschiedenen Regionen gegeneinander ausspiele, sagte Flughafen-Sprecherin Sonja Zöchling auf Anfrage.

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Stadt Zürich ist enttäuscht

Alles andere als begeistert ist man in der Stadt Zürich. Der Vorschlag «basiert auf einem Grundlagenirrtum», monieren Stadtpräsidentin Corine Mauch und Gesundheits- und Umweltvorsteherin in einer gemeinsamen Reaktion. Der Süden des Flughafen und die Stadt trügen bereits heute wesentliche Lärmlasten durch Südanflüge, Südstarts und Weststarts mit Südkurve.

«Umso enttäuschender» sei es, dass «die Koalition aus dem Norden, Osten und Westen den Süden nicht einbezogen hat». Sie forderten gar zusätzliche Südstarts tagsüber. Diese führten über die am dichtesten besiedelten schon heute stark belasteten Zürcher Quartiere. Der Vorschlag widerspreche diametral dem Grundsatz, dass möglichst wenige Menschen mit möglichst wenig Lärm belastet werden sollten.

(sda/ise/me)