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Unglück
Flugschreiber nach Tupolew-Absturz geborgen

Suchmannschaft: Trümmerteile sollen über einen Radius von 500 Metern verstreut sein.   Keystone

Bergungsmannschaften haben die Blackbox der im Schwarzen Meer abgestürzten russischen Militärmaschine gefunden. Bislang sind erst 16 Leichen geborgen worden.

Veröffentlicht am 27.12.2016

Zwei Tage nach dem Flugzeugabsturz vor der russischen Schwarzmeerküste mit 92 Toten ist der Hauptflugschreiber geborgen worden. Die Blackbox der Tupolew Tu-154 des russischen Militärs sei nahe der Flugkabine unter Wasser gefunden worden, meldete die Agentur Tass unter Berufung auf das Verteidigungsministerium.

Der Datenrekorder sei in gutem Zustand und zur Auswertung in die Hauptstadt Moskau gebracht worden. Experten begannen dort mit der Auswertung, wie Verkehrsminister Maxim Sokolow am Dienstag der Agentur Ria Nowosti sagte.

Stimmrecorder in gutem Zustand

Von der Auswertung des Flugschreibers erhoffen sich die Ermittler Hinweise auf die genaue Absturzursache. Bis Ergebnisse vorliegen, könne es mehrere Wochen dauern, berichteten russische Nachrichtenagenturen.

Im Lauf des Tages hoben Bergungsmannschaften ein grosses Heckteil, in dem sich die zwei anderen Blackboxes der Maschine befanden. Auch diese Stimmenrecorder seien nach erstem Augenschein in gutem Zustand.

Über 60 Sänger und Tänzer abgestürzt

Nach Angaben der Suchmannschaften sind die Trümmerteile des Wracks über einen Radius von 500 Metern verstreut. Insgesamt sind mehr als 3500 Helfer, 45 Schiffe, 15 U-Boote, zwölf Flugzeuge, fünf Helikopter sowie zahlreiche Drohnen im Einsatz.

Das Flugzeug war am Sonntag kurz nach dem Start vom Flughafen Adler bei Sotschi auf dem Flug nach Syrien abgestürzt. An Bord waren mehr als 60 Sänger und Tänzer des Alexandrow-Armeechores, die mit ihrem Leiter Waleri Chalilow ums Leben kamen. In Russland galt deshalb am Montag Staatstrauer. Das Ensemble ist als Chor der Roten Armee bekannt und gilt als wichtiges russisches Nationalsymbol.

Armeechor wieder aufbauen

Verteidigungsminister Sergej Schoigu kündigte an, das Alexandrow-Ensemble solle «so schnell wie möglich» wiederaufgebaut werden. Dafür sollten Vorsingen abgehalten werden, «um die besten Leute auszuwählen». Zudem werde er 70 Wohnungen für den Chor anmieten lassen, die den neuen Mitgliedern angeboten werden würden, erklärte Schoigu.

Bei den Sucharbeiten vor der Küste des Ferienortes Sotschi wurden seit Sonntag 16 Leichen geborgen, zu denen nach unbestätigten Angaben auch der Pilot zählt. Im Gegensatz zu den Erfolgsmeldungen bei der Suche nach Wrackteilen gab es nur spärliche Informationen über die Opfer.

Keine Sprengstoffspuren

Am Montagabend hatten die Nachrichtenagenurten Interfax und Tass den Fund Dutzender Leichenteile gemeldet, indes ohne offizielle Bestätigung. Dies könnte darauf hindeuten, dass die Opfer beim Zerschellen der Maschine auf der Wasseroberfläche stark verstümmelt worden sind.

Laut einem von Interfax zitierten Behördenvertreter sind weder an Trümmerteilen noch an den Toten Spuren von Sprengstoff gefunden worden. «Deshalb gibt es derzeit nichts, worauf sich die Version eines Terroranschlags stützen könnte», sagte ein Experte.

Steilflug vor Absturz

Die Ermittler gehen eher von technischem Versagen oder einem Pilotenfehler aus. Die Zeitung «Kommersant» zitierte am Dienstag einen Beobachter auf einem Grenzschutzboot nahe Adler als Augenzeugen. Er will gesehen haben, dass die Tupolew nach dem Abheben in einen Steilflug gesteuert wurde und daraufhin abstürzte.

Als Auswirkung auf den russischen Syrien-Einsatz legte das Verteidigungsministerium seine anderen Passagiermaschinen vom Typ Tu-154 bis zur Klärung der Unglücksursache still. Die Personentransporte zur Luftwaffenbasis Hamaimim in Syrien würden von anderen Flugzeugen übernommen. In der russischen Zivilluftfahrt fliegen die alternden Tu-154 seit einigen Jahren nicht mehr.

(sda/cfr/gku)

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