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Franken-Kredite: Hilfe bleibt Polen verwehrt

Dorota Smetek: Eine der Betroffenen in Polen. Keystone

Polnische Hausbauer erhalten keine Hilfe von Seiten der Politik. Sie bleiben auf ihren rasant verteuerten Franken-Krediten sitzen. Die Regierung fürchtet andernfalls einen Kollaps des Finanzsystems.

Veröffentlicht am 10.02.2017

Polnische Hausbauer können im Streit über teure Franken-Kredite offenbar doch nicht auf Hilfe aus der Politik hoffen. Der Chef der Regierungspartei PiS, Jaroslaw Kaczynski, erteilte betroffenen Bürgern eine Absage.

Die Bankkunden sollten nicht auf die Behörden warten, sondern die Sache in die eigene Hand nehmen und vor Gericht für ihr Recht kämpfen, sagte Kaczynski im staatlichen Rundfunksender Jedynka.

Zloty hat den Wert halbiert

«Die Regierung kann keine Massnahmen ergreifen, die beispielsweise das ganze Bankensystem erschüttern, weil das alle Bürger fürchterlich träfe – auch diejenigen, die Franken-Kredite aufgenommen haben.» Ein solches Vorgehen sei unter allen Umständen ausgeschlossen.

Eine halbe Million Polen hatten vor allem in den Jahren 2007 und 2008 Immobilienkredite in Franken aufgenommen, weil sie deutlich weniger Zinsen kosteten. Inzwischen hat sich der Effekt ins Gegenteil verkehrt, weil der Zloty seinen Wert im Vergleich zum Franken halbiert hat. Das trieb die Kosten für die Kreditnehmer nach oben.

Kosten von 16 Milliarden Franken

Kaczynskis Äusserungen sind eine Kehrtwende. Er hatte stets gefordert, die Franken-Kredite auf Kosten der Banken in Zloty-Darlehen umzuwandeln. Der Parteichef gehört der Regierung nicht an, gilt aber als einflussreichster Politiker des Landes. Die polnische Finanzmarktaufsicht KNF hatte bereits gewarnt, dass ein Zwangsumtausch umgerechnet 16 Milliarden Franken kosten und das Finanzsystem damit ins Wanken bringen könnte.

Die Aktien der Banken, die davon betroffen wären, schossen an der Warschauer Börse nach oben. Getin Noble und Millennium waren mit einem Plus von zwölf und zehn Prozent die grössten Kursgewinner. Die Papiere der Commerzbank -Tochter mBank legten um vier Prozent zu.

(sda/me/chb)

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