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Syrien
Frankreich fliegt Luftangriffe gegen den IS

Französischer Kampfjet: In der Nacht auf Montag warf Paris 20 Bomben ab. Keystone

Rund 48 Stunden nach der Pariser Terror-Nacht wirft die französische Luftwaffe Bomben über Syrien ab. Das Ziel: Die Schlächter des Islamistischen Staates in Raka.

Veröffentlicht am 16.11.2015

Begleitet von massiven Luftangriffen auf die Terrormiliz IS in Syrien treibt Frankreich die Jagd nach den Drahtziehern der Pariser Anschlagserie voran. Während die Luftwaffe «in Koordination mit den amerikanischen Kräften» die syrische IS-Hochburg Al-Rakka bombardierte, sehen sich Frankreichs Behörden mit dem Vorwurf konfrontiert, die Flucht eines mutmasslichen Terrorkomplizen durch eine Fahndungspanne begünstigt zu haben. An mehreren Orten in Frankreich gab es in der Nacht zum Montag Razzien.

Bei den Luftangriffen mit zehn französischen Jagdbombern wurden eine IS-Kommandostelle samt Waffen- und Munitionslager sowie ein Ausbildungslager für Terroristen in Syrien zerstört, wie das Verteidigungsministerium am späten Sonntagabend mitteilte. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sprach von mindestens 30 Luftangriffen in der IS-Hochburg Al-Rakka und deren Umgebung. Informationen über Tote und Verletzte gab es zunächst nicht.

Angriffe seit 2014

Frankreichs Luftwaffe fliegt bereits seit September 2014 als Teil einer US-geführten Koalition Angriffe gegen IS-Stellungen im Irak. Seit September dieses Jahres bombardierte Frankreich mehrfach auch Positionen in Syrien.

In einer bislang nicht verifizierten Erklärung hatte sich allem Anschein nach der IS zu den Anschlägen in Paris bekannt, bei denen in der zum Samstag mindestens 129 Menschen getötet und mehr als 350 teils lebensgefährlich verletzt worden waren. Drei Terrorkommandos hatten nahezu gleichzeitig zugeschlagen: Sie schossen wahllos auf Menschen in Restaurants, im Konzertsaal «Bataclan» und sprengten sich während des Länderspiels Frankreich gegen Deutschland in der Nähe des Stade de France in die Luft. Ein noch grösseres Blutbad in dem Stadion mit fast 80 000 Zuschauern wurde anscheinend nur knapp verhindert.

Hausdurchsuchung in Pariser Vorort

Bei der Fahndung nach den Drahtziehern der Terrorserie gab es am späten Sonntagabend eine Hausdurchsuchung im Hauptstadtvorort Bobigny, wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf das Umfeld der Ermittlungen berichtete. Nähere Details zu der Razzia und deren Ergebnissen wurden zunächst nicht mitgeteilt.

Die Regionalzeitung «La Dépêche du Midi» berichtete zudem über einen Grosseinsatz von Spezialeinheiten gegen Islamistenkreise in Toulouse. Laut AFP hängt die Operation nicht nur mit den Ereignissen in Paris, sondern mit dem allgemeinen Anti-Terror-Kampf zusammen: Mindestens drei Personen seien festgenommen und einer Waffe beschlagnahmt worden, hiess es unter Berufung auf Kreise der Staatsanwaltschaft. Die Zeitung «Le Dauphiné Libéré» berichtete zudem über eine nächtliche Durchsuchung von 15 Objekten im Grossraum Grenoble.

Drei Brüder im Fokus

Bei den Pariser Anschlägen starben sieben Attentäter – doch befürchtet wird, dass gleich mehrere Komplizen abgetaucht sein könnten. Besonders im Fokus stehen dabei drei Brüder, von denen einer zu den Selbstmordattentätern im «Bataclan» gehörte, ein zweiter am Samstag in Belgien festgenommen wurde und ein dritter am Sonntag zur internationalen Fahndung ausgeschrieben wurde.

Letzterer könnte Medienberichten zufolge schon längst hinter Gittern sitzen: Demnach stoppten Polizisten den 26-Jährigen Abdeslam Salah und zwei weitere Personen nur Stunden nach den Pariser Anschlägen nahe der belgischen Grenze in einem Auto, liessen sie aber schliesslich weiterfahren. Zuvor waren die Grenzkontrollen verschärft worden.

Europaweite Trauerminute

Die spanische Zeitung «El País» berichtete auf ihrer Website, Frankreichs Ermittlungsbehörden hätten die zuständigen Stellen in Spanien und Belgien über das Informationssystem des Schengen-Raums gewarnt, dass sich Abdeslam Salah dorthin absetzen könnte. Dies sei aber «nur eine Möglichkeit», hiess es in dem Zeitungsbericht.

Die Staats- und Regierungschefs der EU haben alle Bürger Europas dazu aufgerufen, am Montag um 12.00 Uhr mit einer Schweigeminute der Opfer von Paris zu gedenken. Das Weisse Haus ordnete zudem eine mehrtägige Trauerbeflaggung an US-Einrichtungen in aller Welt an.

(awp/ise/me)

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