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Terrorverdacht
Frankreich sucht einen weiteren Attentäter

Belgische und französische Polizisten haben wegen den Anschlägen von Paris Leute festgenommen. Ein achter mutmasslicher Terrorist wird gesucht. Die Polizei hat sein Foto über Twitter veröffentlicht.

Veröffentlicht am 14.11.2015

Die belgische Polizei hat bei Durchsuchungen im wegen den Anschlägen von Paris sieben Menschen festgenommen. Die Aktion stehe im Zusammenhang mit einem Auto mit belgischem Nummernschild, teilte Justizminister Koen Geens über Twitter mit. Augenzeugen hatten einen Mietwagen in der Nähe der Pariser Konzerthalle Bataclan gesehen, wo vier Bewaffnete am Freitagabend 87 Menschen erschossen. Das Auto soll eine Verbindung zum Brüsseler Stadtteil Molenbeek gestanden haben.

Die meisten Spuren der Pariser Attentate weisen in die belgische Islamisten-Szen hin. Die französische Polizei sucht nach einem Verdächtigem mit französischem Pass, der in Belgien geboren sei. Der 26-Jährige sei zusammen mit zwei Brüdern an der Vorbereitung der Anschläge beteiligt gewesen. Mindestens zwei der Selbstmordattentäter waren Franzosen mit Wohnsitz in Belgien. Über die Konsequenzen aus den Pariser Anschlägen beraten die Innen- und Justizminister der EU kommenden Freitag in einer Dringlichkeitssitzung.

Einschlägig bekannter Stadtteil

Der Stadtteil war nach Anschlägen bereits häufiger Schauplatz von Polizei-Razzien, so etwa nach einem Anschlag auf einen Thalys-Hochgeschwindigkeitszug im August.

Die belgische Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen in vier Fällen wegen Beteiligung an einem Terrorakt ein. Einer der Verdächtigen soll sich am Freitagabend in Paris aufgehalten haben. Die Polizei führte eine Razzia im Brüsseler Stadtteil Molenbeek durch.

Als Reaktion auf die Anschlagsserie hat Belgien die Sicherheitsvorkehrungen für Grossveranstaltungen verschärft. Wegen einer «glaubhaften und möglicherweise unmittelbaren Bedrohung» gilt nun die höchste von drei Warnstufen. Die belgische Regierung gab die Erhöhung am Samstagabend nach einer Sitzung des nationalen Sicherheitsrats bekannt.

Drei Teams, sieben Leute

Es habe drei Teams von Terroristen gegeben, die koordiniert vorgegangen seien, erklärte Staatsanwalt François Molins in der französischen Hauptstadt.

Sieben Terroristen seien gestorben, sagte der Staatsanwalt. Sie hätten Sturmgewehre des Typs Kalaschnikow benutzt und ausserdem die absolut gleiche Art von Sprengstoffwesten getragen, sagte Molins. Sechs hätten sich in die Luft gesprengt, einer wurde von der Polizei erschossen. Der IS hatte in seinem Bekennerschreiben von acht Attentätern gesprochen.

Einer der Angreifer des Musiksaals «Bataclan» wurde als 29-jähriger Franzose identifiziert. Er sei den Behörden wegen seiner Radikalisierung bekannt gewesen. Der 29-Jährige sei mehrfach vorbestraft, allerdings niemals wegen Verbindungen in dschihadistische Netzwerke, sagte der Staatsanwalt. Der 1985 im Süden von Paris geborenen Mann sei in den vergangenen Jahren acht Mal wegen gewöhnlicher Straftaten verurteilt worden und den Behörden wegen seiner Radikalisierung aufgefallen.

Der Vater und der Bruder des 29-Jährigen wurden am Samstagabend in Polizeigewahrsam genommen, wie aus Ermittlerkreisen verlautete.

Fluchtauto gefunden

Mindestens einem Terrorkommando scheint nach den Anschlägen von Paris zunächst die Flucht gelungen zu sein. Französische Ermittler stellten am Sonntag ein weiteres Auto östlich von Paris sicher, wie der Sender Europe 1 berichtete.

Der schwarze Seat soll nach Einschätzung der Ermittler von den Terroristen benutzt worden sein, die vor mehreren Cafés und Restaurants wahllos Menschen erschossen. Unklar blieb, ob der oder die Täter weiter auf der Flucht sind, oder bereits am Samstag in Belgien gefasst wurden.

Die französische Polizei hat nach den Anschlägen von Paris das Fahndungsfoto eines Verdächtigen über Twitter veröffentlicht und bittet die Bevölkerung um Mithilfe. Der 26-jährige Salah Abdeslam sei «gefährlich», warnten die Behörden:

 

 

Wer Informationen über den Aufenthaltsort des in Brüssel geborenen Mann hat, soll umgehend eine Notfallnummer wählen. Der Mann wird mit einem internationalen Haftbefehl aus Belgien gesucht.

Gemäss Molins Angaben gab es beim «Stade de France» drei Explosionen. Die Leiche eines Selbstmordattentäters wurde in der Nähe gefunden. Im Stadion spielte am Freitagabend die deutsche Fussball-Nationalmannschaft ein Freundschaftsspiel gegen die französische Nationalelf. Bei einem der Selbstmordattentäter vom Stade de France wurde ein syrischer Pass gefunden, bestätigte Molins.

Ticket für Fussballmatch

Die Attentäter von Paris wollten einem Bericht des «Wall Street Journal» zufolge offenbar einen Anschlag direkt im Fussballstadion verüben. Mindestens ein Attentäter habe ein Ticket für das Spiel gehabt.

Er sei aber vom Sicherheitspersonal beim Sicherheitscheck aufgehalten worden, berichtet die Zeitung unter Berufung auf einen anderen Ordner und einen Polizisten. Beim Versuch zu entkommen, habe der Mann einen Sprengstoffgürtel zur Explosion gebracht.

Nach Angaben aus Polizeikreisen wurde nahe einem der Attentäter ein syrischer Pass gefunden. Die Ermittler gehen daher einer möglichen Verbindung nach Syrien nach. Die Gerichtsmediziner bemühen sich derzeit, auch die anderen Attentäter zu identifizieren.

Zwischenfall in London

In London und in Amsterdam kam es am Samstag ebenfalls zu Zwischenfällen. Ob diese aber in direktem Zusammenhang mit den Pariser Attacken vom Freitagabend standen, war jeweils unklar.

In London wurde nur Stunden nach den Pariser Terroranschlägen ein Terminal des Flughafens Gatwick aus Sicherheitsgründen geräumt. Passagiere sassen am Samstag stundenlang fest, erst am späten Nachmittag wurde das Nordterminal wieder geöffnet.

Am Vormittag war ein verdächtiger Gegenstand entdeckt worden. Sprengstoffexperten untersuchten diesen und führten eine kontrollierte Explosion durch, sagte Nick May von der Polizei in Sussex. "Die Beamten stellten persönliche Gegenstände und etwas, wahrscheinlich eine Feuerwaffe, sicher." Die Funktionsfähigkeit der Waffe sei noch nicht geklärt.

Die Polizei nahm einen 41 Jahre alten Mann aus Frankreich fest. Der Mann werde gegenwärtig verhört, hiess es am Abend. Der Verdächtige hatte nicht eingecheckt oder die Pass- und Sicherheitskontrolle passiert. Aufgrund der Terroranschläge in Paris vom Freitagabend sei man bei solchen Vorfällen besonders aufmerksam, betonte die Polizei.

Fehlalarm in Amsterdam

Wegen einer anonymen Drohung wurde schliesslich auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol am Samstag ein Passagierflugzeug der Air France kurz vor dem Start nach Paris gestoppt. Bei einer Durchsuchung des Airbus sei jedoch nichts Gefährliches entdeckt worden, berichtete die niederländische Nachrichtenagentur ANP.

Das Flugzeug wurde evakuiert, die Passagiere konnten später wieder an Bord gehen. Vorsorglich wurde auch das Panoramadeck des Airports vorübergehend geschlossen. Die Drohung war laut Angaben des niederländischen Grenzschutzes über Twitter eingegangen.

«Das haben wir so ernst genommen, dass wir sicherheitshalber alle Passagiere von Bord geholt haben», sagte ein Behördensprecher. Laut ANP wurde in dem Tweet auch gewarnt, dass nach den Anschlägen in Paris die Flughäfen von Amsterdam und Brüssel Angriffsziele sein könnten.

(sda/chb)

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