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Frankreichs Arbeitsmarkt: «Schamlose Erpressung»

Francois Hollande: Scheitern die Verhandlungen, muss der Staat «die Verantwortung übernehmen». (Bild: Keystone)

Frankreichs Gewerkschaften werfen den Arbeitgebern schon zu Beginn der Verhandlungen allerlei Übles vor. Die französische Regierung erhofft sich bis Jahresende einen Kompromiss.

Veröffentlicht am 04.10.2012

In Frankreich haben Arbeitgeber und Gewerkschaften Verhandlungen über eine Reform des Arbeitsmarkts aufgenommen. Der Verhandlungsführer des grössten Arbeitgeberverbandes Medef, Patrick Bernasconi, forderte zum Auftakt der Gespräche am Donnerstag eine Lösung, die «das Leben der Unternehmen erleichtert».

Der Arbeitsmarkt in Frankreich müsse sich besser der jeweiligen wirtschaftlichen Lage anpassen, er müsse «flexibler» werden. Gleichzeitig solle die Lage der Beschäftigten «abgesichert» werden.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft CGT, Bernard Thibault, warf den Arbeitgebern «schamlose Erpressung» vor. Sie drohten mit Stellenstreichungen, Verlagerungen von Produktionsstätten ins Ausland oder gar «mit dem Tod grosser Konzerne», schrieb Thibault in einem Beitrag für die linksgerichtete Tageszeitung «Libération» vom Donnerstag. Ihr Ziel sei es vor allem, von der «Krise zu profitieren» um die Arbeitskosten zu drücken.

Hoffnung auf Kompromiss bis Jahresende

Der Linksregierung warf der Gewerkschaftsführer vor, sie wolle die Lohnnebenkosten für die Betrieb senken - zu Lasten der Haushalte und der Steuerzahler. An den heute gestarteten Verhandlungen nehmen Vertreter von fünf Gewerkschaften und drei Arbeitgeberverbänden teil. Sie wollen sich ein Mal pro Woche treffen.

Die französische Regierung erhofft sich bis Jahresende einen Kompromiss, der einerseits den Unternehmen mehr Flexibilität und den Arbeitnehmern zugleich mehr Sicherheit verschafft.

Der sozialistische Staatschef François Hollande hatte Mitte September erklärt, sollten Gewerkschaften und Arbeitgeber sich nicht einigen, werde der Staat «die Verantwortung übernehmen». Frankreichs Arbeitsmarkt verfügt über einen ausgeprägten Arbeitnehmerschutz und ist im europäischen Vergleich nach Ansicht vieler Experten zu starr.

(jev/aho/sda)

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