Der vor zwei Wochen wegen einer Steuerbetrugs-Affäre zurückgetretene französische Haushaltsminister Jérôme Cahuzac hat den Besitz eines Auslands-Kontos zugegeben.

Das sagte sein Anwalt Jean Veil der Nachrichtenagentur AFP. Cahuzac droht nun ein Prozess wegen Geldwäscherei im Zusammenhang mit Steuerhinterziehung: Nachdem vor zwei Wochen eine richterliche Voruntersuchung gegen den Sozialisten eingeleitet worden war, eröffneten Untersuchungsrichter ein formelles Ermittlungsverfahren, wie sein Anwalt sagte. Zuvor war Cahuzac von den Richtern befragt worden.

Der Sozialist, der bis dahin als eine der wichtigsten Stützen der Regierung von Staatschef François Hollande galt, war am 19. März nach der Einleitung der richterlichen Voruntersuchung vom Amt des Haushaltsministers zurückgetreten.

Das französische Enthüllungsportal Mediapart hatte im Dezember erstmals berichtet, der ehemalige Schönheitschirurg Cahuzac habe jahrelang ein heimliches Konto bei der Schweizer Grossbank UBS besessen. Dieses soll er demnach 2010 geschlossen und das Geld nach Singapur transferiert haben.

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Cahuzac hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen und auch nach seinem Rücktritt seine Unschuld beteuert. In einer Stellungnahme erklärte er nun, einen «unglaublichen Fehler» begangen zu haben. Er sei angesichts von «Schuldgefühlen am Boden zerstört».

«In einer Lügenspirale gefangen»

In seiner Stellungnahme erklärte Cahuzac, er führe entgegen früherer Beteuerungen seit «rund 20 Jahren» ein Konto im Ausland, auf dem derzeit etwa 600'000 Euro lägen.

Er bat Staatschef François Hollande, Regierungschef Ayrault und seine einstigen Ministerkollegen um Verzeihung «wegen des Schadens, den ich verursacht habe». «Ich war in einer Lügenspirale gefangen», erklärte Cahuzac.

Cahuzac, der bis dahin als eine der wichtigsten Stützen der Regierung galt, war am 19. März nach der Einleitung einer richterlichen Voruntersuchung vom Amt des Haushaltsministers zurückgetreten.

Regierung Hollande sucht Distanz

Hollande erklärte, Cahuzac habe einen «unverzeihlichen moralischen Fehler» begangen, als er unter anderem vor der französischen Nationalversammlung die Existenz eines Auslandskontos bestritten habe. Nun sei es an der Justiz, «in aller Unabhängigkeit die Konsequenzen zu ziehen».

Die konservative Oppositionspartei UMP warf Hollande und Ayrault allerdings indirekt vor, schon vor Dienstag die Wahrheit über das Auslandskonto gekannt zu haben. UMP-Chef Jean-François Copé forderte Hollande auf, sich angesichts dieser «Staatslüge» vor den Franzosen zu erklären.