Frankreichs Arbeitgeber haben mit einem Strategiepapier im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit einen Sturm der Entrüstung unter den Gewerkschaften des Landes ausgelöst. In einem an die Zeitung «Les Echos» lancierten Massnahmenkatalog rüttelt der Verband Medef an einer Reihe von Tabus. So schlägt er vor, zwei von elf gesetzlichen Feiertagen abzuschaffen, die 35-Stunden-Woche aufzuweichen, längere Ladenöffnungszeiten und unter bestimmten Bedingungen eine Bezahlung unter dem Mindestlohn zu erlauben. Die Gewerkschaft CFDT sprach von einer Provokation, die radikalere Force Ouvriere (FO) von einem «Witz».

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Die Wirtschaft stagniert

FO-Chef Jean-Claude Mailly kritisierte, die vorgeschlagene Sonntagsarbeit im Einzelhandel und eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit führe in die falsche Richtung. «Was kommt als nächstes? Kinderarbeit?», fragte er im Fernsehen. Beide Gewerkschaften schlossen Verhandlungen über die Medef-Positionen aus. Der Verband erklärte, es habe sich nur um eine Diskussionsgrundlage im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit gehandelt, eine Kontroverse sei nicht beabsichtigt gewesen.

Die Erwerbslosenquote liegt in Frankreich bei zehn Prozent, die nach Deutschland zweitgrösste Volkswirtschaft der Euro-Zone stagniert. Unter den in Frankreich mächtigen Gewerkschaften wächst der Unmut über die Wirtschaftspolitik von Präsident Francois Hollande. Der Sozialist bekommt die Arbeitslosigkeit nicht in den Griff und macht sich mit Steuererleichterungen für Unternehmen immer mehr Feinde im linken Lager. Die Reformpläne dürften eines der wichtigsten Themen sein, wenn sich die Regierung von Ministerpräsident Manuel Valls am Dienstag in der Nationalversammlung einer Vertrauensabstimmung stellt.

(reuters/chb)