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Votum
Frankreichs Wahl startet in Übersee

Franzöisische Flagge: Die Vorwahl hat begonnen. Keystone

Aufgrund der Zeitverschiebung haben die Bürger in den französischen Gebieten in Übersee bereits zu wählen begonnen. Die Abstimmung wird von Terrorangst überschattet.

Veröffentlicht am 22.04.2017

Die mit Spannung erwartete Wahl eines neuen französischen Staatspräsidenten hat am Samstag in französischen Überseegebieten begonnen. Der Ausgang hat für ganz Europa eine erhebliche Bedeutung, denn bei einem Sieg extremer Kandidaten drohen der EU schwere Turbulenzen.

Die Wahlen finden erstmals unter der Bedingungen des Ausnahmezustands statt, der nach den Pariser Terrorattacken im November 2015 verhängt worden war. Die ersten Wahllokale öffneten um 12.00 Uhr Schweizer Zeit auf der Inselgruppe Saint-Pierre und Miquelon vor der kanadischen Ostküste.

Insgesamt 47 Millionen Wahlberechtigte

Wegen der Zeitverschiebung waren auch in Französisch-Guyana in Südamerika, auf den französischen Karibikinseln sowie in Französisch-Polynesien im Pazifik die Wähler bereits am Samstag aufgerufen, ihre Stimmen für den ersten Wahlgang abzugeben. Der Grossteil der 47 Millionen Wahlberechtigten kann am Sonntag abstimmen.

Die Abstimmung findet unter dem Eindruck der Terrorattacke auf den Pariser Champs-Élysées am Donnerstagabend statt. Mehr als 50'000 Polizisten und 7000 Soldaten werden eingesetzt, um Kandidaten und Bürger zu schützen.

Stichwahl am 7. Mai

Die entscheidende Stichwahl zwischen den beiden stärksten Kandidaten ist am 7. Mai geplant. In Europa richtete sich das Interesse vor allem auf das Abschreiben der rechtspopulistischen Kandidatin Marine Le Pen, die Frankreich aus der Euro-Zone führen will, sowie auf den Linksaussen-Kandidaten Jean-Luc Mélenchon, der ebenfalls heftig Brüssel attackiert, und auf den Europafreund Emmanuel Macron.

In Umfragen für den ersten Wahlgang lag der Ex-Wirtschaftsminister Macron zuletzt knapp vor oder auf Augenhöhe mit Le Pen. Aber auch der Konservative François Fillon und Mélenchon können sich Hoffnungen machen, sich für das Endduell in zwei Wochen zu qualifizieren.

Terror überschattet Abstimmung

Nach dem Schock über das Brexit-Votum und die US-Wahl rechnet EU-Kommissar Maros Sefcovic mit dem Sieg eines europafreundlichen Kandidaten in Frankreich. «Nach all der Unsicherheit, die diese Abstimmungen brachten, werden die französischen Wähler weise entscheiden und die europäische Zusammenarbeit weiter mittragen«, sagte der aus Slowakei stammende Sefcovic der Nachrichtenagentur dpa in Brüssel.

Der offizielle Wahlkampf war am Freitagabend zu Ende gegangen. Mehrere Kandidaten hatten wegen der Pariser Terrorattacke letzte Auftritte oder Kundgebungen abgesagt. Ein 39-Jähriger hatte am Donnerstagabend in Paris mit einem Kalaschnikow-Sturmgewehr auf Polizisten geschossen und einen Beamten getötet. Zwei weitere Beamte und eine deutsche Passantin wurden verletzt. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte die Bluttat für sich.

Drei Personen aus dem Umfeld des Täters blieben zunächst in Polizeigewahrsam. Auch die beiden zu Wochenbeginn in Marseille festgenommenen Männer, die laut Behörden vor der Wahl einen Anschlag verüben wollten, wurden weiter festgehalten.

(sda/me)


 

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