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Französische Hoffnung: Paris will Bern in Brüssel helfen

Hollande und Schneider-Ammann: Frankreich will der Schweiz helfen. Keystone

Der französische Präsident François Hollande verspricht der Schweiz Beistand in heiklen EU-Verhandlungen. Damit endet eine schwierige Woche für den Bundespräsidenten Johann Schneider-Ammann.

Veröffentlicht am 24.01.2016

Versöhnlicher Abschluss einer schwierigen Woche für Bundespräsident Johann Schneider-Ammann: Bei einem Treffen im Elsass hat der französische Präsident François Hollande am Samstag versichert, sich für eine einvernehmliche Lösung zwischen Bern und Brüssel einzusetzen.

Seit bald zwei Jahren ist die Schweizer Regierung auf Lösungssuche, was die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative betrifft. Ziel ist ein für beide Seiten verträglicher Ausweg, der aber momentan nicht in Sichtweite ist.

Verhärtete Fronten

Die EU macht vor einer Einigung mit Grossbritannien keine Zugeständnisse bei der Personenfreizügigkeit an die Schweiz, offizielle Verhandlungen mit der EU-Kommission sind momentan ausgeschlossen. Auch keine Garantien von Brüssel gibt es in Sachen Anschlusslösung für das EU-Forschungsprogramm Horizon 2020.

Kurz: Die Fronten bleiben auch nach vielen Gesprächen in den vergangenen Tagen am Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos GR verhärtet. Der Ausgang des Pokers hängt auch davon ab, wie viele EU-Länder die Schweiz auf ihre Seite holen kann.

Französische Hoffnung

Das Treffen vom Samstag zwischen Hollande und Schneider-Ammann lässt insofern hoffen. Der französische Präsident sagte am Rande einer festlichen Einweihung des Museums Unterlinden in Colmar (F), dass er sich persönlich bei der EU für eine Lösung betreffend bilaterale Beziehungen mit der Schweiz einsetzen werde.

Hollande werde auf eine Lösung hinarbeiten, sagte Schneider-Ammann gegenüber Journalisten in Colmar. Das bedeute aber nicht, dass er eine mögliche Schutzklausel unterstütze. Paris ist in diesem Punkt unnachgiebig. Der freie Personenverkehr mit der Schweiz ist Frankreich besonders wichtig.

Dringliche Lösung

Einigkeit herrscht im Punkt, dass eine Lösung dringlich ist. Die Masseneinwanderungsinitiative muss bis spätestens im Februar 2017 umgesetzt sein. Es müsse nun schnell gehen, sagte Hollande.

Einfach wird das aber nicht. Am liebsten hätte der Bundesrat noch vor dem Vorlegen der entsprechenden Botschaft ans Parlament sich mit der EU auf den Mechanismus einer Schutzklausel einigen wollen, mit der die Schweiz die Personenfreizügigkeit unter bestimmten Umständen einschränken könnte.

Einseitiges Handeln

Dazu wird es nun nicht kommen. Eine Einigung über eine Schutzklausel ist frühestens in der zweiten Jahreshälfte in Reichweite. Das heisst, dass der Bundesrat dem Parlament zunächst eine einseitige Schutzklausel vorlegen muss. Falls später eine Einigung zu Stande kommt, will er eine Zusatzbotschaft mit einer einvernehmlichen Schutzklausel nachreichen.

Zumindest wurde am Samstag ein anderer seit Jahren schwelender Konflikt aus der Welt geschafft. Der Steuerstreit zwischen Frankreich und der Schweiz um den Basler EuroAirport ist beigelegt. Schneider-Ammann und Hollande unterschrieben in Colmar eine gemeinsame Erklärung.

(sda/ise)

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