Eine am Dienstag veröffentlichte Studie der Grossbank Credit Suisse hat zum wiederholten Male gezeigt, dass die Firmenspitze vornehmlich Männern reserviert bleibt. Die Schweiz steigerte sich in den letzten Jahren zwar. 2010 sassen weniger als 9 Prozent Frauen im Verwaltungsrat von Schweizer Firmen. Drei Jahre später waren es knapp drei Prozentpunkte mehr. Damit reiht sich das Land aber trotzdem ganz hinten ein: Im europäischen Vergleich ist nur Portugal schlechter.

Diesen Misstand zu beheben, ist auch das Ziel von Justizministerin Simonetta Sommaruga. Sie will eine gesetzliche Frauenquote einführen. Börsenkotierte Unternehmen müssten im Verwaltungsrat einen Frauenanteil von mindestens 30 Prozent erreichen. Dass Frauen die Hälfte der Bevölkerung ausmachen, aber nur knapp 12 Prozent der Verwaltungsräte stellen, sei eine Folge von Diskriminierung und müsse deshalb mit staatlichem Zwang korrigiert werden.

Die Forderung überzeugt nicht. Leistung und Qualifikation müssen bei Einstellungs- und Beför­derungsentscheiden im Zentrum stehen, nicht das Geschlecht. Das bedeutet, noch bestehende Hindernisse auf den Karrierewegen von Frauen wegzu­räumen. Eine bessere Vertretung in den Führungsgremien wird die logische Folge sein. Viele Unternehmen suchen heute schon gezielt Frauen. Es ist ein boomendes Geschäft für Headhunter.

Die Resultate in Norwegen sind ernüchternd

Für den Eingriff des Gesetzgebers gibt es dagegen kaum Argumente. Die fleissig zitierten Studien über eine bessere finanzielle Performance von Unternehmen mit Frauen im Leitungsgremium belegen bloss eine Korrelation. Über die Kausalität, Ursache und Wirkung, sagen sie nichts. Denn die spielt eher andersrum: Erfolgreiche Firmen holen sich vermehrt Frauen in den Verwaltungsrat.

Die empirischen Untersuchungen über die Folgen der Frauenquote in Norwegen werden von den Befürwortern dagegen weniger gern zitiert. Seit zehn Jahren gilt dort eine Frauenquote von 40 Prozent für den Verwaltungsrat. Die Resultate sind ernüchternd. Ein positiver Zusammenhang zwischen Firmenwert und Geschlechtermix konnte nicht festgestellt werden, einige Studien wiesen einen negativen Effekt nach.

Die Frauenquote hatte nicht die erhoffte Sogwirkung für den Aufstieg der Frauen in höhere Managementpositionen, wie die neueste Studie von vier Ökonominnen zeigt. Sie veränderte auch den Lohnunterschied zwischen hoch qualifizierten Männern und Frauen unterhalb der Führungsebene nicht. Die Ökonominnen warnen deshalb vor zu hohen Erwartungen an eine gesetzliche Frauenquote.

Die Quote unterstellt den Frauen, dass sie es alleine nicht schaffen

Analysen zeigen, dass der Karrierenachteil der Frauen praktisch vollständig erklärt wird durch Studienwahl und Mutterschaft. Daran ändert die Quote nichts, wie das Beispiel Norwegen zeigt. Die gut qualifizierten Frauen stellen ihre Familienplanung nicht zugunsten der Karriere zurück und belegen auch nicht mehr Wirtschafts- oder Ingenieurstudien. Die Quote bekämpft bloss das Symptom.

Die Quote unterstellt den Frauen, dass sie es alleine nicht schaffen. Aber Frauen sind heute im Durchschnitt besser ausgebildet als Männer und können ihre Ziele ohne staatliche Bevorzugung erreichen.

Es ist Mode geworden, populistische Forderungen hurtig in Gesetze zu packen. Wo immer ein gesellschaftliches Defizit vermutet wird, soll es der Staat richten. Doch die Symbolpolitik löst kein einziges Problem, sie lenkt nur ab.

armin.mueller@handelszeitung.ch

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