1. Home
  2. Politik
  3. Freihandel als Chance für Schweizer Schweinefüsse

Vorteil
Freihandel als Chance für Schweizer Schweinefüsse

Schweinefüsse: Werden in der Schweiz nicht gerne gegessen, in China aber schon. Patrik Neckman/CC/flickr

Für die Schweizer Fleischwirtschaft ist das Abkommen zum Freihandel mit China ein Segen. Dank den unterschiedlichen Geschmäckern werden Tierprodukte exportiert, die sonst als Tierfutter enden würden.

Veröffentlicht am 01.11.2016

Schweinefüsse sind in China eine Delikatesse – und Schweizer Ware wäre dort eigentlich gefragt. Doch bisher liegt die Vermarktung fast ausschliesslich in Händen von EU-Firmen. Nun profitieren Schweizer Exportfirmen wie beispielsweise Swiss Nutrivalor von dem vor zwei Jahren unterzeichneten Freihandelsabkommen mit China.

Das Unternehmen der Centravo-Gruppe baut derzeit im solothurnischen Oensingen für rund 20 Millionen Franken eine neue Fabrik. Hier sollen Fleischstücke und Schlachtnebenprodukte aufbereitet, zu handelsüblichen Gebinden tiefgefroren, zwischengelagert und dann international direkt vermarktet werden. 2017 soll die Fabrik den Betrieb aufnehmen.

Neue Arbeitsplätze

Mit der neuen Anlage werden in der Schweiz auch rund 50 Arbeitsplätze geschaffen. Denn heute werden Innereien und Haxen vorwiegend über Partnerfirmen in Deutschland und Italien nach Osteuropa, Asien und Afrika exportiert.

«Mit dieser Investition leistet die Swiss Nutrivalor nicht nur einen Beitrag zur ganzheitlichen Verwertung von lebensmittelfähigen Schlachtprodukten, sondern sie führt auch die Wertschöpfung in die Schweiz zurück», sagt Georg Herriger, Kommunikationsbeauftragter des Unternehmens, der Nachrichtenagentur sda.

Was Schweizer nicht essen

Verarbeitet werden in Oensingen Fleischwaren, die nicht den Schweizer Konsumgewohnheiten entsprechen, aber dennoch wertvolle Lebensmittel sind wie Innereien, Schweinefüsse- und Köpfe, Fette oder auch Suppenhühner. Sie machen 80 Prozent der Schweizer Fleischexporte aus.

Eine erfolgreiche Vermarktung dieser Produkte ist vor allem eine Frage der Logistik, heisst es bei Centravo, der Muttergesellschaft von Swiss Nutrivalor. Herausforderungen sind effiziente Transportwege, lückenlose Kühlketten und sichere Verpackungen.

Kein Abfall

Laut Herriger verfügt die Schweiz durch das Freihandelsabkommen mit China über einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der EU. Dieser dürfte den negativen Effekt der Frankenstärke weitgehend wettmachen.

«Nichts von einem geschlachteten Tier ist Abfall», sagt Herriger. Die einzig richtige Bezeichnung sei «Schlachtnebenprodukte». Diese Nebenprodukte gelte es sinnvoll, das heisst so hochwertig wie nur möglich, zu verwerten. Die Centravo-Gruppe mit ihren zehn Unternehmen in der Schweiz verarbeitet Schlachtprodukte, welche nicht durch die Fleischwirtschaft selbst genutzt werden.

Vier Verwendungen

Die Produkte finden Verwendung in Kosmetikartikeln und Medikamenten oder als Speisefett, Tierfutter, Leder, Düngemittel sowie als Treib- und Brennstoff. Der aus dem Darmschleim der Schweine gewonnene Blutgerinnungshemmer Heparin zum Beispiel hilft gegen Embolien und Thrombosen.

Die Verwertung folgt dem Prinzip «Food-Feed-Energy»: Die Teile eines geschlachteten Tiers sollen vorrangig als Lebensmittel, an zweiter Stelle für pharmazeutische Produkte, dann als Tierfutter und ganz am Schluss zur Energiegewinnung verwendet werden.

Centravo sammelt jährlich 180'000 Tonnen an Schlachtnebenprodukten ein. Dieser Menge stehen rund 340'000 Tonnen an verkaufsfertigem Fleisch gegenüber. Die Gruppe erzielte 2015 einen Umsatz von rund 250 Millionen Franken und beschäftigt rund 350 Mitarbeitende.

(sda/jfr)

Anzeige