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Auszeichnung
Friedensnobelpreis geht an ICAN in Genf

Friedensnobelpreis geht an ICAN in Genf
Aktivisten in Genf: ICAN wird mit dem Friedensnobelpreis gewürdigt. Keystone

Die Kampagne zur atomaren Abrüstung (ICAN) in Genf wird mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Der Entscheid würdigt den jahrzehntelangen Kampf der Organisation für eine atomwaffenfreie Welt.

Jahrzehntelang reden viele über Atomabrüstung, aber es tut sich wenig. Dann kommt die Kampagne ICAN auf den Plan. Sie mobilisiert Aktivisten in aller Welt und bringt einen internationalen Vertrag zum Verbot von Atomwaffen zustande.

ICAN – die Abkürzung für «Internationale Kampagne für die Abschaffung von Atomwaffen» – klingt auf Englisch nach Action: «I can» (ich kann). Das erinnert an den Wahlkampfschlachtruf von Barack Obama, mit dem er vor seiner ersten Wahl die Massen mobilisierte. Und ICAN sieht sich auch als Massenmobilisierer.

Humanitäre Frage

«Die Folgen eines Atomschlags sind so verheerend, dass kaum einer darüber nachdenken will», sagte Beatrice Fihn, die 34-jährige Geschäftsführerin von ICAN in Genf, vor der Preisverkündung.

«Politiker sagen: ‹Ihr Aktivisten versteht davon nichts, bei den Atomwaffen geht es um strategische Sicherheit›. Aber wir haben Atomwaffen mit diesem Vertrag wieder zu einer humanitären Frage gemacht», umschreibt sie ihre Arbeit.

Nach Fihns Lesart ist die Sache ganz einfach: Ist es akzeptabel, Hunderttausende Menschen umzubringen oder nicht? Wenn nicht, müssten Atomwaffen verboten werden.

Weltweite Mobilisierung

ICAN ist ein Bündnis von rund 450 Mitgliedsorganisationen in aller Welt. Seit 2007 kämpft das Bündnis gegen den Widerstand der Atommächte und vieler anderer Länder dafür, Atomwaffen per internationalem Vertrag zu verbieten.

Die Kampagne mobilisiert Atomwaffengegner in aller Welt, bearbeitet Regierungen und schafft das kaum für möglich Gehaltene: Im Juli 2017 wird in New York der Internationale Vertrag zum Verbot von Nuklearwaffen beschlossen. Er verbietet Herstellung, Besitz, Einsatz und Lagerung von Atomwaffen.

Ende nächstes Jahr mögliche Ratifizierung

UNO-Generalsekretär António Guterres feierte ihn als Meilenstein. Im September kommen die Unterschriften unter das Abkommen. Der Vertrag tritt in Kraft, wenn mindestens 50 Länder ratifiziert haben. Fihn hofft, dass das bis Ende nächsten Jahres der Fall ist.

Fihn kennt das Argument, Atomwaffen seien zur Abschreckung nötig. «Haben Atomwaffen im Kalten Krieg den Frieden bewahrt? Das ist nicht beweisbar», sagt Fihn. Vielleicht sei das auch der Verdienst der Vereinten Nationen.

Nicht aufs Glück vertrauen

Eins sei aber klar, dass es jede Menge Beinahe-Zwischenfälle gegeben hatte. «Bislang haben wir Glück gehabt. Aber wenn es weiter Atomwaffen gibt, wird uns das Glück eines Tages verlassen. Das Vertrauen der ganzen Menschheit, dass nichts passiert, liegt in den Händen sehr weniger Individuen», sagt Fihn.

Die Atommächte sind bei dem Vertrag nicht dabei: die USA, Russland, Grossbritannien China, auch nicht Indien, Pakistan oder Israel. Ebenfalls fehlen die NATO-Länder. Die Militärallianz meint, der Vertrag gefährde die Abrüstung und würde die Staatengemeinschaft in schwierigen Zeiten spalten. Der NATO-Rat stellte klar: «So lange es Atomwaffen gibt, wird die NATO ein nukleares Bündnis sein.»

Druck erzeugen

So ein Vertrag sei der Beginn einer Bewegung, das entwickle Eigendynamik, und kleinere Länder könnten die Grossen damit unter Druck setzen, glaubt Fihn. Wie bei anderen internationalen Verträgen etwa zum Verbot von Landminen, Streumunition oder chemischen Waffen setzt ICAN auf die Wirkung internationaler Ächtung. So ein Vertrag bringe nicht unterzeichnende Regierungen unter Rechtfertigungsdruck.

Ihr erbitterter Widerstand zeige schon, wie wirkungsvoll so ein Vertrag sei. «Die Atommächte müssen plötzlich verteidigen, warum sie so verheerende Massenvernichtungswaffen für sinnvoll halten», sagt Fihn.

Über das Geld

Die Kampagne will die Daumenschrauben nun weiter anziehen: sie mobilisiert Menschen, ihre Banken, Versicherungen und Rentenkassen dazu zu bringen, nicht mehr in Unternehmen zu investieren, die Komponenten für Atomwaffen produzieren.

Dass Druck funktioniert, zeige der internationale Vertrag zum Verbot von Streubomben. Den hätten die USA zwar nicht unterzeichnet. Aber der letzte US-Streubombenhersteller Textron stellt nun die Produktion ein. Das Geschäft läuft nicht mehr.

(sda/me/cfr/jfr)

 

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