Für seinen Einsatz zur Beendigung des jahrzehntelangen Bürgerkrieges in Kolumbien ist Präsident Juan Manuel Santos am Samstag mit dem Friedensnobelpreis 2016 ausgezeichnet worden. «Den meisten von uns erschien Frieden wie ein unmöglicher Traum», sagte der Preisträger bei der Zeremonie in Oslo.

Jetzt hätten die Kolumbianer das Unmögliche möglich gemacht. Er nehme den Preis im Namen seines Volks und der vielen Opfer des Krieges entgegen.

Überraschendes Votum

Kurz vor der Verleihung war der historische Friedensvertrag zwischen der kolumbianischen Regierung und der FARC-Guerilla beschlossen worden. Ein erster Versuch, das Abkommen durchzusetzen, war im Oktober an dem Nein des Volkes bei einem Referendum gescheitert.

Diese Ablehnung sei für ihn genauso überraschend gekommen wie die Zuerkennung des Nobelpreises vier Tage später, sagte Santos. Die Auszeichnung nannte der Präsident «ein Geschenk des Himmels».

Friedlicher Kontinent

Mit dem neuen Vertrag zwischen FARC und Regierung sei «der älteste und letzte bewaffnete Konflikt der westlichen Hemisphäre» beigelegt. In dem Bürgerkrieg waren seit 1964 über 260'000 Menschen gestorben, Millionen wurden vertrieben. «Dank dieses Abkommens können wir sagen, dass der amerikanische Kontinent - von Alaska bis Patagonien - friedliches Land ist», sagte Santos.

Preis geht auch an das Volk

«Es ist immer noch ein langer Weg zu gehen», sagte Nobeljurorin Berit Reiss-Andersen bei der Feier, zu der auch einige Opfer des Bürgerkriegs kamen. «Nach 50 Jahren des bitteren Konflikts geschieht die Versöhnung nicht über Nacht.» 

Den Friedensprozess in Gang zu bringen, bei dem der Präsident «eine treibende Kraft» gewesen sei, habe «erheblichen politischen Mut und grosse Ausdauer» erfordert. Der Preis sei auch «als Tribut an das kolumbianische Volk gedacht - ein Volk, das die Hoffnung auf Frieden trotz grosser Nöte und unzähliger Ungerechtigkeiten nie aufgegeben hat». 

Weiterer Vertrag geplant

Vertreter der FARC waren nicht bei der Feier dabei. Santos hatte aber einen ihrer Verhandlungsführer eingeladen. 

Nach dem Votum des Kongresses für den Friedensvertrag sollen die rund 5800 Kämpfer der FARC bis April ihre Waffen abgeben. Santos will nun versuchen, einen Vertrag mit der kleineren ELN-Guerilla auszuhandeln.

Literaturpreisverleihung vertagt

2015 hatte das tunesische Quartett - vier Organisationen, darunter die Gewerkschaftszentrale UGTT - für den nationalen Dialog den Preis bekommen.

Am Nachmittag sollten in Stockholm noch die Nobelpreise für Medizin, Physik, Chemie und Wirtschaftswissenschaft verliehen werden. Weil Literaturnobelpreisträger Bob Dylan für die Feier abgesagt hatte, wird sein Preis später überreicht. Wann, steht noch nicht fest. Die Preise sind mit je acht Millionen Kronen (rund 890'000 Franken) dotiert.

(sda/jfr)

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