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Terror
Fünf Fragen und Antworten zum Anschlag von Nizza

Nach dem Blutbad von Nizza steht Frankreich unter Schock. Zum Start der Sommerferien sind auch viele Reisende verunsichert. Fünf Fragen und Antworten zum Terror in Frankreich.

Von Gabriel Knupfer
am 15.07.2016

1. Was ist passiert? Am Nationalfeiertag hat ein tunesischstämmiger Franzose mit einem Lastwagen zahlreiche Menschen an der Uferpromenade von Nizza überfahren. Mindestens 84 Personen wurden dabei getötet. Rund 50 kämpfen im Spital ums Überleben. Unter den Opfern sind viele Kinder. Auch zwei Schweizer kamen bei dem mutmasslichen Terrorakt ums Leben. Der 31-jährige Täter wurde von der Polizei erschossen.

2. Warum gerade Nizza? Frankreich befindet sich seit den Anschlägen vom letzten September im Ausnahmezustand. Unser Nachbarland gilt als besonders gefährdet für islamistische Anschläge. Einerseits ist Frankreich an den Luftangriffen gegen den Islamischen Staat in Syrien und im Irak beteiligt. Andererseits sind viele junge Franzosen nach Syrien gereist, um sich dort der Terrorgruppe anzuschliessen. Ob der Täter allerdings aus religiösen Motiven gehandelt hat, ist bisher völlig offen. Er war der Polizei als Kleinkrimineller bekannt und nicht als islamischer Extremist. Die Auswahl des Ortes scheint aus politischer Sicht willkürlich. Der Täter lebte in Nizza und wollte offenbar möglichst viele Menschen töten.

3. Was bedeutet der Massenmord für Frankreich-Touristen? An der Lage hat sich seit Donnerstag nichts Grundsätzliches geändert. Trotz der exponierten Stellung im Kampf gegen den Terror ist Frankreich nach Einschätzung des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (Eda) ein sicheres Reiseland. Das Land sei «stabil», so das Eda in den Reisehinweisen. Dennoch bestehe das «Risiko von Terroranschlägen». Das deutsche Auswärtige Amt erwähnt «erhöhte Kontrollen und Sicherheitsmassnahmen» aufgrund der terroristischen Gefahr. Seit Januar 2015 sind in Frankreich etwa 250 Menschen bei Anschlägen ums Leben gekommen. So schrecklich das auch sein mag, die Gefahr als Tourist in Frankreich ermordet zu werden, bleibt verschwindend klein.

4. Kann ich meine Frankreich-Reise absagen? Präsident François Hollande hat am Freitag den Ausnahmezustand um weitere drei Monate verlängert. Dieser hätte eigentlich am 26. Juli auslaufen sollen. Doch für eine Stornierung wegen einer realen Gefahr reicht das nicht. Einige Reisebüros dürften sich dennoch kulant zeigen. Obwohl das Eda aufgrund des Attentats momentan nicht von Reisen nach Südfrankreich abrate, biete Hotelplan «für Nizza-Aufenthalte mit Abreisen bis und mit 31. Juli 2016 kostenlose Umbuchung oder Stornierung an», schreibt der Reiseveranstalter.

5. Gibt es sichere Alternativen? Grundsätzlich besteht die Terrorbedrohung weltweit. Wirklich sicher ist man höchstens auf Balkonien. Besonders gefährdet sind Flughäfen, Bahnhöfe und andere Orte, wo sich viele Menschen gleichzeitig aufhalten. Doch wie in Frankreich gilt auch anderswo: Die Wahrscheinlichkeit, einem Terrorakt zum Opfer zu fallen, ist äusserst klein. So betrachtet man es auch im Aussenministerium: «Das Eda sieht keinen Anlass, generell von Reisen in Gebiete abzuraten, in denen das Risiko von Anschlägen besteht.» Das wäre angesichts der Unmöglichkeit, Anschläge vorauszusehen, unverhältnismässig und würde das Ziel der Terroristen, Unsicherheit und Angst zu schüren, unterstützen, so das Eda.

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