Der Neustart des weltgrössten Kernkraftwerks Kashiwazaki Kariwa in Japan durch den Betreiber des Fukushima-Unglücksreaktors könnte sich verzögern. Tokyo Electric Power (Tepco) sei nicht vertrauenswürdig, sagte der Gouverneur von Niigata, Hirohiko Izumida, der Nachrichtenagentur Reuters. Er hat faktisch ein Vetorecht, da Kashiwazaki in seiner Provinz liegt. Tepco habe eine «Firmenkultur des Lügens» entwickelt, sagte Izumida.

Dass der Konzern erst im Juli Lecks in Fukushima eingeräumt habe, zeige, dass sich nichts geändert habe. Wenn Tepco sich weiter «knauserig zeigt und Informationen manipuliert, wird man ihnen nie vertrauen können».

Izumida kündigte eine eigene Kommission an, um die Fukushima-Katastrophe zu untersuchen. Zudem werde geprüft, ob die neuen Vorschriften ausreichend streng seien, um ein ähnliches Desaster zu verhindern. Einen Zeitrahmen für die Untersuchung nannte er nicht. «Wenn sie mit uns zusammenarbeiten, werden wir gut vorankommen», sagte Izumida über Tepco. «Wenn nicht, dann nicht.» Tepco will bis April mindestens einen der sieben Reaktoren von Kashiwazaki Kariwa hochfahren. Der Konzern könnte nach eigenen Angaben mit einem Vollbetrieb der Anlage eine Milliarde Dollar im Monat sparen.

Der Gouverneur forderte zudem die Regierung in Tokio auf, Tepco die Zuständigkeit für den Abriss der Fukushima-Ruine zu entziehen. Der Konzern müsse dabei einen staatlich finanzierten Konkurs einleiten. Es sei notwendig eine Situation zu schaffen, in der sich «80 bis 90 Prozent ihres Denkens» um Atomsicherheit drehten, sagte Izumida. Die mehr als 6000 Mitarbeiter im verunglückten AKW sollten in den Staatsdienst übergehen. «Die Arbeiter im Werk riskieren ihre Gesundheit und geben alles», erklärte er. «Sie arbeiten draussen im Regen. Sie arbeiten draussen in der Dunkelheit. Die Regierung muss ihre Leistung respektieren und sich der Situation annehmen.»

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Kashiwazaki Kariwa liegt 300 Kilometer nordwestlich von Tokio und ist der grösste Atommeiler der Welt. Nach dem Fukushima-Unglück im März 2011 wurden alle 50 japanischen Kernkraftwerke vom Netz genommen. Ministerpräsident Shinzo Abe will an der Kernkraft festhalten, während grosse Teile der Bevölkerung nach der Katastrophe skeptisch sind. Zudem ist die Zustimmung örtlicher Behörden erforderlich. Japan muss derzeit teuren Brennstoff für seine konventionellen Kraftwerke importieren.

(reuters/chb)