Kein Finanzplatz, kein Finanzprodukt und kein Finanzakteur soll mehr unbeaufsichtigt bleiben - das hatten sich die G20-Staaten nach der Krise vor fünf Jahren vorgenommen. Die sogenannten Schattenbanken aber sind bisher der Regulierung weitgehend entzogen. Das soll sich nach dem Willen des G20-Gipfels in St. Petersburg ändern. Vereinbart wurde ein Zeitplan für das weitere Vorgehen.

Was sind Schattenbanken?

Der Finanzstabilitätsrat (FSB), der international die Bemühungen zur Aufsicht der Finanzbranche koordiniert, sieht in den Schattenbanken ein System der Kreditvermittlung, an dem Unternehmen ausserhalb des regulären Bankensystems beteiligt sind. Dazu zählen etwa Zweckgesellschaften, die Kredite vermitteln, sowie Investmentfonds und Hedgefonds, Finanzierungsgesellschaften und Versicherer, die Kredite zum Beispiel auch an Konsumenten vergeben. Sie machen ähnliche Geschäfte wie Banken, unterliegen aber nur teilweise den Regeln, die für traditionelle Finanzhäuser gelten.

Welchen Anteil hat die Branche am Finanzsystem?

Einen bedeutenden. Der Umsatz dieses Parallelsystems hat sich in den Jahren 2002 bis 2010 auf weltweit rund 46 Billionen Euro mehr als verdoppelt. Das entspricht bis zu 30 Prozent des gesamten Finanzsystems und der Hälfte aller Bankaktiva, in den USA liegt der Anteil noch höher. Während in den USA die Rolle der Schattenbanken jedoch abgenommen hat, ist sie in Europa in den vergangenen Jahren Schätzungen des Finanzstabilitätsrats zufolge gewachsen. Auch in der chinesischen Wirtschaft sind sie extrem wichtig.

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Welche Rolle spielen Schattenbanken?

Gerade in manchen Schwellenländern erfüllen sie wichtige Funktionen in den Finanzsystemen. Sie sind zusätzliche Geldquellen und bieten den Anlegern Alternativen zu Bankeinlagen. Für Unternehmen ist das Parallelsystem zudem wichtig, wenn das traditionelle Bankwesen gestört ist. Sie sollen daher auch nicht einfach verboten werden.

Aber welche Risiken gehen von den Schattenbanken aus?

Da die Branche nur teilweise von den bestehenden Regeln für den Finanzsektor erfasst wird und Finanzströme unbemerkt von Aufsichtsbehörden fliessen, werden unerkannte Risiken gefürchtet. So könnte die Pleite einer Schattenbank wegen ihrer Verknüpfung mit den regulären Banken das Finanzsystem erschüttern. Und solange Schattenbanken weniger strengen Regeln unterliegen, könnte es zu einer Verlagerung von Bankgeschäften von den traditionellen Banken in den grauen Sektor kommen.

(sda/jev/vst)