Aserbeidschan möchte seine Erdgasquellen aus dem Shah-Deniz-2-Gasfeld mit dem europäischen Kontinent teilen. Dafür wird jedoch eine Pipeline von Nöten sein, welche noch gebaut werden muss.

Nun zeigen Recherchen der «Neuen Zürcher Zeitung», dass halb Europa - darunter auch die Schweiz - um diesen lukrativen Milliardenauftrag buhlt. Nach jahrelangem Auswahlverfahren seien laut der Tageszeitung noch zwei Projekte im Rennen: Die 1300 Kilometer lange Nabucco West und die 800 Kilometer lange Trans Adriatic Pipeline (TAG). An letzterer Pipeline ist der Schweizer Energiekonzern Axpo mit 42,5 Prozent beteiligt und soll durch Griechenland, Albanien und Italien führen. 

Schweiz wirkte an Staatsvertrag mit

Bis am 31. März müssen die beiden Konkurrenten ihre Bewerbungsdossiers einreichen. Die Entscheidung fällt im Juni. Für den Bundesrat ist dieser Umstand Grund genug, hinter den Kulissen für das TAG-Projekt mächtig zu werben.

Allein im Jahr 2011 reisten drei Bundesrätinnen in die Hauptstadt von Aserbeidschan. Zudem lobbyieren Schweizer Diplomaten für das Projekt. So lädt das Departement für auswärtige Angelegenheiten die Botschafter in den involvierten Ländern jeweils zum «TAG-Frühstück». Während diesem Anlass werden die Botschafter über den neusten Stand des Projekts informiert. 

Selbst am Staatsvertrag zwischen Griechenland, Albanien und Italien, der für den Bau der Pipeline nötig ist, hat die Schweiz im Hintergrund mitgewirkt. Walter Steinmann - Direktor des Bundesamts für Energie - war anwesend, als Italiens Wirtschaftsminister Corrado Passera und ein griechischer Vizeminister letzte Verhandlungen führten. 

Bundesrat: Wirtschaftsförderung für Axpo

Für diese Vermittlung wird die Schweiz laut der «NZZ» nun belohnt. Diesen Mittwoch wollen Regierungsvertreter der drei Staaten in Athen einen Staatsvertrag unterzeichnen, der die Zusammenarbeit bei der TAP formell besiegelt. Zur Zeremonie eingeladen ist dabei Bundesrätin Doris Leuthard. Weil die wöchentliche Bundesratssitzung die Stipvisite nicht zulässt, entsendet die Schweiz Walter Steinmann nach Athen.

Aber weshalb engagiert sich die offizielle Schweiz so sehr für das Projekt? Die Schweiz befindet sich inmitten einer Energiewende. Will heissen: Wenn die Trans-Adriatic-Pipeline erst einmal bis nach Italien reicht, könnte das Gas ohne grössere Schwierigkeiten in die Schweiz gelangen. Zudem betreibt die Schweizer Landesregierung für den Energiekonzern Axpo Wirtschaftsförderung. Und drittens geht es darum, dass der Westeuropa neue Energiequellen findet und sich von der Abhängigkeit Russlands löst. 

(muv/chb)

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