Im Streit um offene Gasrechnungen hat Russland der verschuldeten Ukraine noch einmal die Zahlungsfrist verlängert. Kiew hat demnach jetzt bis am kommenden Montagmorgen Zeit, einen Teil seiner Schulden in Milliardenhöhe zu begleichen.

Die Fristverlängerung gab der Chef des russischen Staatskonzerns Gazprom, Alexej Miller, am Mittwoch vor neuen Verhandlungen in Brüssel bekannt. Angesichts des Konflikts telefonierten auch Kremlchef Wladimir Putin und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel miteinander. In dem Telefonat sprach Putin nach Kremlangaben von «Schwierigkeiten» und äusserte die Hoffnung auf einen Kompromiss.

Russland droht mit Lieferstopp

Die Ukraine hat ein russisches Rabatt-Angebot für Gaslieferungen bereits vor dem Beginn der neuen Verhandlungen in Brüssel offiziell abgelehnt. Der von den Russen angebotene Preisnachlass von 100 US-Dollar auf 1000 Kubikmeter Gas sei unzureichend, sagte der ukrainische Regierungschef Arseni Jazenjuk Medien zufolge am Mittwoch in Kiew. Es müsse ein neuer Vertrag aufgesetzt werden mit Marktpreisen.

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Kiew und Moskau haben allerdings einen gültigen Vertrag, der bis 2019 läuft. In Brüssel sollten am Morgen unter Vermittlung von EU-Kommissar Günther Oettinger neue Verhandlungen beginnen.

Engpässe im Westen gefürchtet

Bleiben die Zahlungen bis zum neuen Termin aus, will Russland den Gashahn zudrehen und nur noch gegen Vorkasse liefern. Ein Lieferstopp durch die Ukraine, das wichtigste Transitland für die EU, könnte wie bei einem Gaskrieg 2009 zu Engpässen im Westen führen.

Russland wolle den zuletzt intensiven Verhandlungen um einen neuen Gaspreis für die Ukraine noch mehr Zeit geben, sagte Miller.

(sda/me/sim)