Das Gastgewerbe kämpft mit sinkenden Umsätzen. Sorgen bereitet dem Branchenverband Gastrosuisse zudem die Annahme der Zuwanderungsinitiative. Weil die Branche auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen ist, fordert der Verband eine weniger strikte Umsetzung der Initiative. Geht es nach dem Willen von Gastrosuisse, soll die Zuwanderung von Kurzaufenthaltern nicht mit Höchstzahlen und Kontingenten beschränkt werden. Dies sagte der stellvertretende Direktor des Verbandes, Hannes Jaisli, am Dienstag an der Jahresmedienkonferenz in Bern.

Personen mit einer Kurzaufenthaltsbewilligung halten sich bis zu einem Jahr in der Schweiz auf. Gemäss den Plänen des Bundesrates zur Umsetzung der Initiative, die sich derzeit in der Vernehmlassung befinden, sollen auch die Kurzaufenthaltsbewilligungen von 4 bis 12 Monaten kontingentiert werden. Ausgenommen wären damit nur Arbeitsverhältnisse unter drei Monaten.

Keine Möglichkeit für Substitution

Jaisli zitierte ein Rechtsgutachten des Bundes, gemäss dem Aufenthalte von bis zu einem Jahr nicht als Zuwanderung gelten. «Wir kämpfen darum, dass der Bundesrat seinen verfassungsrechtlichen Spielraum ausnutzt.» Über die Hälfte der Personen, die für eine Arbeit im Gastgewerbe neu in die Schweiz kommen, erhalten heute gemäss Gastrosuisse eine Bewilligung zwischen 4 und 12 Monaten. Diese Personen liessen sich weder mit älteren Arbeitnehmenden noch mit Frauen oder Arbeitslosen ersetzen.

Anzeige

Die Abhängigkeit von ausländischen Arbeitskräften unterstrich der Verband mit einer weiteren Zahl: Jeder zweite der insgesamt rund 210'000 Arbeitnehmenden im Gastgewerbe kommt demnach aus dem Ausland.

Gastronomietourismus als Problem

Deren Arbeitgeber hatten es im vergangenen Jahr mit weniger zahlungsfreudigen Gästen zu tun: Die Schweizer Bevölkerung gab erneut weniger Geld für Essen und Trinken ausser Haus aus. Verglichen mit dem Vorjahr gingen die Ausgaben 2014 um 1,9 Prozent auf 22,7 Milliarden Franken zurück.

Während die Ausgaben fürs Essen bei rund 15,1 Milliarden Franken stagnierten, schrumpften jene für Getränke um 400 Millionen Franken und lagen 2014 noch bei 7,6 Milliarden Franken. Gastrosuisse-Präsident Casimir Platzer sprach denn auch von einer «durchzogenen Jahresbilanz, bei der das Positive überwiegt». Eingetrübt haben sich die Aussichten dann Anfang dieses Jahres durch den Entscheid der Schweizerischen Nationalbank, den Euro-Mindestkurs aufzuheben. Dadurch hätten sich die Angebote der Branche auf einen Schlag weiter verteuert, sagte Platzer.

«Respekt vor der Sommersaison»

Wie sich der Entscheid der Nationalbank mittelfristig auswirke, müsse sich erst noch weisen. Doch die Branche habe einen «gehörigen Respekt vor der Sommersaison», sagte Platzer. Die jüngsten Konjunkturprognosen böten jedenfalls Anlass zur Sorge.

Viele Schweizer flüchten vor den hohen Preisen ins Ausland. «Es gibt nicht nur den Einkaufstourismus, sondern auch den Gastronomietourismus», sagte Platzer. Gemäss einer vom Verband in Auftrag gegebenen Studie gaben 36 Prozent von über 1000 Befragten an, während der vergangenen drei Monate im benachbarten Ausland gegessen zu haben. Dadurch gehen der Schweizer Gastronomie jährlich rund 4 Milliarden Franken verloren, so die Hochrechnung des Verbandes.

Personalkosten senken

Nur kurz hielt sich der Verband am Dienstag mit der herben Niederlage auf, die er im September 2014 einstecken musste: Seine Volksinitiative zur Einführung eines einheitlichen Mehrwertsteuersatzes für das Gastgewerbe und Take-away-Betriebe wurde damals deutlich mit 71,5 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt. Letztere profitieren heute von einem reduzierten Satz.

Anzeige

Als «Genugtuung» bezeichnete Platzer dafür die Ablehnung der Mindestlohn-Initiative im Mai 2014. Der vorgeschlagene Mindestlohn von 4000 Franken pro Monat hätte die Personalkosten für das Gastgewerbe erhöht. Diese seien in der Schweiz bereits heute wesentlich höher als im benachbarten Ausland, sagte der neue Direktor von Gastrosuisse, Remo Fehlmann.

«Wir erwarten von den Gewerkschaften ein höheres Verständnis für die schwierige Lage der Betriebe», sagte Fehlmann. Es gehe dabei weder um Lohnsenkungen noch um eine Ausweitung der Arbeitszeiten, sagte Präsident Casimir Platzer. Gefragt sei aber mehr Flexibilität, etwa bei den Nachtruhe-Vorschriften.

(sda/ise/chb)