Die israelische Luftwaffe hat ihre Angriffe auf Ziele im Gazastreifen in der Nacht zum Samstag wieder verschärft. Nach palästinensischen Angaben bombardierte sie mehrfach die Zentrale der radikalislamischen Hamas-Regierung in Gaza-Stadt.

Augenzeugen berichteten von schwersten Schäden an dem Gebäude. Die israelischen Streitkräfte trafen bei ihren Luftangriffen im Gazastreifen nach eigenen Angaben bisher mehr als 800 Ziele. Allein in der Nacht habe die Luftwaffe rund 180 Angriffe geflogen.

Dabei kam nach Angaben der Gesundheitsbehörden im Gazastreifen ein Mensch ums Leben. Dutzende weitere seien verletzt worden. Damit stieg die Zahl der Todesopfer auf palästinensischer Seite seit Mittwoch auf 30. Im gleichen Zeitraum wurden drei Israelis getötet.

Hamas-Regierungssitz zerstört

Das Innenministerium in Gaza teilte mit, die israelischen Kampfflugzeuge hätten Verwaltungsgebäude von Regierung und Polizei, Schmugglertunnel und ein dreistöckiges Wohngebäude getroffen. Zudem zerstörte die Luftwaffe fünf Transformatoren. Über 400'000 Menschen im Gazastreifen seien ohne Strom.

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Die israelische Luftwaffe habe auch den Sitz von Premierminister Ismail Hanija beschossen, teilte ein israelischer Armeesprecher mit. Nach Angaben der Hamas und von Bewohnern legten die israelischen Bombardements Hanijas Amtssitz in Schutt und Asche.

Vor dem Amtssitz hatten führende Hamas-Mitglieder am Freitagmorgen noch Ägyptens Ministerpräsidenten Hischam Kandil zu einem kurzen Solidaritätsbesuch im Gazastreifen empfangen. Eigentlich wollte Kandil zwischen beiden Seiten schlichten und für einen Waffenstillstand werben. Doch eine für den Besuch verabredete Feuerpause hielt nicht, Kandil beendete ihn daraufhin vorzeitig.

Offener Krieg droht

Seit der gezielten Tötung von Hamas-Militärchef Hamas-Militärchefs Ahmed al-Dschabari am Mittwoch steuert der Dauer-Konflikt zwischen Israel und der islamistischen Bewegung, die seit 2007 den Gazastreifen kontrolliert, auf einen offenen Krieg zu.

Auf ununterbrochene israelische Luftangriffe folgten hunderte Raketenangriffe auf israelisches Gebiet. Erstmals wurden auch Tel Aviv und Jerusalem beschossen, zu Schaden kam dabei jedoch niemand.

Unterdessen beschleunigte Israel die Vorbereitungen zu seiner angedrohten Bodenoffensive gegen die Hamas. Nach der Einberufung von 16'000 Reservesoldaten am Donnerstag und Freitag billigte das Kabinett am Freitagabend laut dem israelischem Fernsehen die Mobilisierung von bis zu 75'000 Reservisten.

Korrespondenten berichteten von Panzern, gepanzerten Truppenfahrzeugen und Planierraupen, die in der Grenzregion zum Gazastreifen zusammengezogen würden. Diese wurde zum militärischen Sperrgebiet erklärt.

Diplomatische Lösung

Angesichts der wachsenden Gefahr einer Gewaltexplosion im Nahen Osten verstärkten die USA ihre Bemühungen um eine diplomatische Lösung des Konflikts. US-Präsident Barack Obama telefonierte mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu und dem ägyptischen Staatschef Mohammed Mursi, um nach Wegen zu suchen, die Lage zu entschärfen.

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Der Präsident bedauerte den Tod von Israelis und Palästinensern. Er lobte Mursis Bemühungen um eine Entspannung der Situation, bekräftigte aber gleichzeitig Israels Recht auf Selbstverteidigung.

(aho/sda)