Der Gaza-Krieg bricht einen traurigen Rekord: Es ist bereits der längste bewaffnete Konflikt Israels seit dem Libanon-Krieg von 2006. Die Bemühungen um eine Waffenruhe in der Küsten-Enklave dauern an. Bei israelischen Angriffen im Gazastreifen sind in der Nacht zum Mittwoch Dutzende von Menschen getötet worden.

Beim Beschuss einer Schule der Uno-Hilfsorganisation UNRWA kamen am Morgen im Flüchtlingslager Dschabalia im nördlichen Gazastreifen mindestens 15 Menschen ums Leben, wie ein Sprecher der palästinensischen Rettungsdienste mitteilte. Palästinensische Medien berichteten sogar von 20 Toten. Eine Armeesprecherin in Tel Aviv sagte, man prüfe Berichte, denen zufolge die Schule von Israels Militär beschossen wurde.

Zeichen für eine nahende Waffenruhe?

Militante Palästinenser setzten auch am Mittwoch ihre Raketenangriffe auf israelische Ortschaften fort. Der Militärchef der Hamas machte eine Waffenruhe im Gazakonflikt vom Ende der israelischen Militäroffensive abhängig. Auch die Blockade der Enklave am Mittelmeer müsse aufgehoben werden, sagte Mohammed Deif am Dienstag in einer über den TV-Sender der Hamas verbreiteten Audio-Botschaft.

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Es war die erste öffentliche Äusserung des Anführers des bewaffneten Flügels der radikal-islamischen Organisation, den Kassam-Brigaden, seit Beginn der Offensive vor mehr als drei Wochen. Ein Kommentator des israelischen Fernsehens interpretierte die Siegeserklärung des Hamas-Militärchefs am Mittwoch als mögliches Zeichen für eine nahende Waffenruhe.

Türkischer Gesandter in Israel

Israels Sicherheitskabinett wollte am Mittwoch erneut über eine Waffenruhe im Gazastreifen beraten. Auch die Möglichkeit einer Ausweitung der Offensive stehe zur Debatte, berichteten israelische Medien. Der seit 23 Tagen andauernde Militäreinsatz in dem Palästinensergebiet ist inzwischen Israels längster Krieg seit 2006. Er dauert schon länger an als die Konflikte im Gazastreifen in den Jahren 2009 und 2012. Das israelische Radio meldete, ein türkischer Gesandter sei nach Israel gekommen, um sich für eine Waffenruhe einzusetzen.

Chile und Peru riefen wegen der Verschärfung der israelischen Militäroperationen im Gazastreifen ihre Botschafter in Israel zu Konsultationen zurück. Chile beobachte mit grosser Sorge die Einsätze, die derzeit eine «kollektive Bestrafung» der palästinensischen Bevölkerung darstellten, hiess es in einer Mitteilung des chilenischen Aussenministeriums.

Tiefes Bedauern

Ähnlich äusserte sich das peruanische Aussenministerium, das die Unterbrechung des Waffenstillstandes durch neue israelische Militäroperationen «zutiefst» bedauerte.

Die fünf Staaten des südamerikanischen Mercosur-Blocks riefen bei ihrem Gipfel in Caracas zum sofortigen Waffenstillstand im Gazastreifen auf. «Wir glauben, dass der israelisch-palästinensische Konflikt das Potenzial hat, die ganze Region zu destabilisieren», sagte Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff.

Immer mehr Opfer

Seit Beginn des israelischen Militäroffensive am 8. Juli starben nach neuesten Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza 1258 Menschen, über 7100 wurden verletzt. Laut israelischem Militär starben 53 Soldaten und 3 Zivilisten.

Wie der Sprecher des Hilfswerks UNRWA, Chris Gunness, mitteilte, starben auch fünf Uno-Mitarbeiter, darunter drei für UNRWA tätige Lehrer. Bislang hätten mehr als 200'000 Palästinenser in Uno-Schulen Schutz gesucht.

(sda/dbe/se)