Generika sind in der Schweiz viel teurer als im Ausland. Den Preis zahlen in erster Linie die Krankenkassen und damit die Versicherten. Das will der Preisüberwacher mit einem Referenzpreis-System ändern.

Heute wird der Preis für Nachahmerpräparate in einem bestimmten Verhältnis zum Preis des Originalpräparats festgelegt. Dieses System führt zu einem grossen Preisgefälle zum Ausland. Ein Vergleich mit 15 europäischen Länder hat ergeben, dass die Patienten dort teilweise nur einen Bruchteil des Schweizer Preises bezahlen.

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Der Preisüberwacher schätzt das Sparpotenzial auf 400 Millionen Franken. Realisieren will er dieses mit einem Referenzpreis-System. Dafür setzt er sich seit Jahren ein. Am Dienstag hat er nun detaillierte Empfehlungen dazu vorgelegt.

Auslandpreis als Obergrenze

Generika mit gleichem Wirkstoff, gleicher Dosierung und ähnlicher Packungsgrösse sollen in Referenzpreisgruppen zusammengefasst werden. In einem zweiten Schritt würden auch ähnliche Wirkstoffe und Scheininnovationen erfasst. Innerhalb der jeweiligen Gruppe ist der Preis des günstigsten Medikaments massgebend. Mit einem Auslandpreisvergleich soll zusätzlich eine Obergrenze festgelegt werden.

Zum so festgelegten Referenzpreis will der Preisüberwacher eine Toleranz von 5 Prozent, maximal aber 5 Franken zulassen. Zweimal im Jahr soll der Referenzpreis überprüft werden. Tiefere Hürden für die Zulassung und für den Einkauf im Ausland sollen die Preise weiter drücken.

In begründeten Ausnahmefällen können Ärzte ein bestimmtes Medikament verschreiben. In dem Fall würde auch ein über dem Referenzpreis liegender Medikamentenpreis vergütet. Sonst muss der Patient die Differenz zum Referenzpreis aus der eigenen Tasche bezahlen. Patienten, die bereits auf ein bestimmtes Medikament eingestellt sind, dürfen dieses weiterhin beziehen.

Pharma und Ärzte wehren sich

Hintergrund der Empfehlungen ist die Ankündigung des Bundesrats, im Herbst Vorschläge für ein Referenzpreissystem in die Vernehmlassung zu schicken. Im Grundsatz hat sich der Bundesrat schon 2014 dafür ausgesprochen. Der Widerstand dagegen ist jedoch heftig. Pharma- und Chemieindustrie, Ärzteschaft und Apotheker haben sich in der Allianz gegen Referenzpreise zusammengeschlossen.

Die Gruppe warnt vor steigendem Medikamentenverbrauch, der Gefährdung der Versorgungssicherheit und verunsicherten Patienten: Erfahrungen aus der EU zeigten, dass durch Referenzpreise erzwungene Wechsel von Medikamenten zu unerwünschten Wirkungen und zu einer verschlechterten Therapietreue führten, heisst es auf der Website der Allianz.

Die Schweizerische Stiftung Patientenschutz hatte zunächst die gleichen Bedenken. Inzwischen ist sie aus der Allianz ausgetreten. Laut Präsidentin Susanne Hochuli lassen sich diese Probleme mit Ausnahmeregelungen beheben, zum Beispiel für ältere Patientinnen und Patienten. Solche hat der Preisüberwacher in seinen Empfehlungen vorgesehen.

(sda/bnm)