Die Genfer Wirtschaft wird gemäss dem Genfer Wirtschaftsdirektor Pierre Maudet unter dem starken Franken leiden. Der Druck auf die Margen verstärke sich beim Detailhandel, bei Banken, Industrie oder multinationalen Unternehmen. Maudet erwägt deshalb Massnahmen. Der Kanton Waadt hat bereits reagiert.

«Mit einer stark auf den Export ausgerichteten Wirtschaft wird Genf in den kommenden Monaten unter der Frankenstärke leiden», sagte Maudet am Donnerstag in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. Von der Aufgabe des Mindestkurses durch die Nationalbank seien bisher vor allem der Detailhandel, die Restaurants und der Tourismus betroffen, sagte der Freisinnige Genfer Wirtschaftsdirektor. Er war 2012 im Alter von nur 34 Jahren in die Kantonsregierung gewählt worden.

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Einkaufstourismus schadet dem Detailhandel

Der Detailhandel leide schon stark unter dem Einkaufstourismus und werde bald Umsatzrückgänge hinnehmen müssen. Es sei wichtig, die Bevölkerung auch auf die negativen Folgen des Einkaufstourismus zu sensibilisieren, sagte Maudet.

Weniger betroffen seien hingegen die Genfer Uhrenmanufakturen, die sich an vermögende Kunden richten. Die Uhrenfirmen könnten Rückgänge aus gewissen Regionen mit anderen Märkten auffangen. Der starke Franken stelle jedoch auch die Budgets von internationalen Organisationen in Genf in Frage.

Kurzarbeit wird unterstützt

In der Industrie können Unternehmen als kurzfristige Massnahmen Anträge zur Verringerung der Arbeitszeiten stellen. Er stelle jedoch fest, dass mehrere Unternehmen mit ihren Mitarbeitenden Erhöhungen der Arbeitszeit vereinbart hätten, sagte Maudet.

Dies bleibe zeitlich begrenzt und im Rahmen des geltenden Gesamtarbeitsvertrages. Der Kanton unterstütze diese Massnahmen, vor allem wenn sie im guten Einvernehmen mit den Sozialpartnern getroffen worden seien.

Hilfe für Unternehmen geprüft

Der Wirtschaftsdirektor prüft derzeit die Möglichkeiten von finanziellen Hilfen, welche unter gewissen Bedingungen an unter der Frankenstärke leidende Unternehmen geleistet werden könnten. Dies würde über die bestehende «Fondation d'aide aux entreprises (FAE)» gemacht.

Maudet bekräftige zugleich die Bedeutung von guten Rahmenbedingungen für die zahlreichen multinationalen Firmen. Die Unternehmenssteuerreform III mit einem Steuersatz von 13 Prozent für den Kanton Genf sei deshalb wesentlich.

(sda/ise/me)