Die Verteidiger der mutmasslich Verantwortlichen für die Milliardenverluste bei der Genfer Kantonalbank (BCGE) verlangen, dass die Strafverfolgung gegen die drei BCGE-Kadermänner eingestellt wird. Das Appellationsgericht wird voraussichtlich am Dienstag darüber entscheiden.

Am vergangenen Donnerstag hatte sich die Revisionsgesellschaft Ernst&Young in einem aussergerichtlichen Vergleich mit dem Kanton Genf dazu verpflichtet, dem Kanton insgesamt 110 Millionen Franken zu bezahlen. Dank der Vereinbarung müssen sich die beiden angeklagten Ex-Revisoren nun nicht mehr vor Gericht verantworten.

Das gilt jedoch nicht für die ehemaligen BCGE-Kader, Bankdirektor Marc Fues, Vize-Bankdirektor René Curti sowie den Präsidenten Dominique Ducret. Sie mussten am Montag wegen Urkundenfälschung und ungetreuer Geschäftsbesorgung vor dem Appellationsgericht erscheinen.

Im Juli 2011 hatte das Genfer Strafgericht in erster Instanz Fues und Curti wegen Urkundenfälschung zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt. Vom Vorwurf der qualifizierten ungetreuen Geschäftsführung wurden sie freigesprochen. Ducret sowie die beiden Revisoren von Ernst&Young waren in allen Punkten freigesprochen worden.

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Verteidiger beklagt Ungleichbehandlung

Christian Lüscher, Verteidiger von Marc Fues, beklagte vor Gericht die unterschiedliche Behandlung der Angeklagten. Er forderte den Staatsanwalt dazu auf, konsequent zu sein und das Strafverfahren gegen alle Angeklagten fallen zu lassen.

Anders als Lüscher sah dies Staatsanwalt Jean-Bernard Schmid. Die Situation der drei Ex-BCGE-Kadermänner und jene der zwei Revisoren sei nicht vergleichbar. Die zwei Ex-Angestellten von Ernst&Young hätten sich lediglich der Fahrlässigkeit schuldig gemacht, ein Fehler, der strafrechtlich nicht erfasst werde, argumentierte Schmid.

Lüscher konterte: «Sie haben ursprünglich die Urteile gegen alle fünf weitergezogen. Sie haben sich also kaufen lassen»,warf er dem Staatsanwalt vor. Die Anwälte der anderen beiden BCGE-Kader unterstützten Lüscher in seiner Argumentation und verlangten ebenfalls vom Staatsanwalt, die Strafverfolgung gegen ihre Mandaten fallen zu lassen.

Kein Einblick in Vereinbarung

Die Verteidiger hatten zudem am Montagmorgen verlangen, über die Details der aussergerichtlichen Vereinbarung informiert zu werden. Eric Alves de Souza, der Anwalt des Kantons Genf, lehnte dies ab und verwies auf die von den Parteien unterzeichnete Vertraulichkeitsklausel. Das Gericht wies den Antrag der Verteidiger schliesslich zurück.

Am Dienstag werden die Richter des Appellationsgerichts voraussichtlich bekannt geben, ob das Strafverfahren gegen die drei BCGE-Kadermänner eingestellt wird oder nicht.

(vst/sda)