Die multinationalen Firmen am Genferseebogen haben am Dienstag erneut eine rasche Lösung der offenen Fragen wie Unternehmenssteuern und Zuwanderung gefordert. Zudem öffnen einige Multinationale im Herbst ihre Türen. Die Kampagne soll die Wahrnehmung in der Bevölkerung verbessern. Das Groupement des Entreprises Multinationales (GEM) besteht zwar bereits seit rund 30 Jahren, macht sich in der Westschweizer Öffentlichkeit erst seit rund zwei Jahren stark. Das liegt vor allem daran, dass die Multinationalen die guten Rahmenbedingungen in der Schweiz in Gefahr sehen.

Auf Druck der Europäischen Union muss die Schweiz die Sonderbesteuerung für international tätige Unternehmen aufheben. In einer Unternehmenssteuerreform III sollen deshalb Schweizer Firmen gleich behandelt werden. Zudem sieht sich das GEM durch die Zuwanderungsinitiative der SVP bei der Rekrutierung von Fachkräften aus dem Ausland eingeschränkt. Hinzu kommt die Aufhebung des Mindestkurses zum Euro, welche vielen Unternehmen Währungsverluste bescherte.

USR III: «Noch nichts gewonnen»

Die multinationalen Firmen unterstützten die Stossrichtung der im Juni vom Bundesrat vorgelegten Unternehmenssteuerreform III (USR III). Allerdings darf der neue Steuersatz nicht höher als 13 Prozent festgelegt werden, was den tiefsten Steuersätzen in der EU entspricht. «Heute ist aber noch nichts gewonnen», sagte am Dienstag GEM-Präsidentin Frédérique Reeb-Landry. Sie forderte, dass die Reform rasch umgesetzt wird. In der Romandie hätten Waadt und Neuenburg sehr rasch reagiert und erste Reformdaten skizziert.

Anzeige

Von Genf, Freiburg und dem Wallis warte man noch auf mehr Details zu den Umsetzungsvorschlägen. Die Kantone, welche viele multinationale Firmen beherbergten, müssten zudem vom Bund für die Steuerausfälle entschädigt werden, verlangte die GEM-Präsidentin.

Rohstoffhandelsfirmen hätten nichts von Lizenzboxen

Eher kritisch zeigte sich der Verband beim Thema Lizenzboxen. Die vielen Rohstoffhandelsfirmen im Genferseeraum würden davon nicht profitieren. Die SVP-Zuwanderungsinitiative müsse zudem einfach, anpassungsfähig und mit Rücksicht auf die Realitäten umgesetzt werden.

Wenn sich zugleich der steuerliche Rahmen sowie der Zugriff auf qualifizierte Arbeitskräfte sowie die Währungskurse verschlechterten, könne man verstehen, dass sich gewisse Multinationale Fragen stellten, die Aktivitäten einschränkten, Produktionsstandorte verlagerten und über den Verbleib in der Schweiz nachdenken würden, sagte Reeb-Landry.

Sehr wichtig für Genf und Waadt

Sie erinnerte daran, dass diese Firmen 41 Prozent des Waadtländer Bruttoinlandproduktes (BIP) und 43 Prozent des Genfer BIP stellten. Die Multis beschäftigen in der Waadt rund 88'000 Angestellte und in Genf rund 76'000 Personen. Trotz ihrer Bedeutung werden sie aber von den Waadtländern und Genfern eher als abgeschottet von der Region wahrgenommen. Dies will das GEM mit einer Kampagne ändern. Sie lädt eine begrenzte Anzahl interessierter Personen ein, vier Firmen zu besuchen.

Zwischen dem 29. September und dem 7. Oktober sind Besuche bei Merck Serono, Logitech, O-I Europe sowie Sicpa möglich. Allerdings sind die Plätze je nach Anlass auf 55 bis 200 Personen begrenzt. Dies habe sicherheitstechnische und logistische Gründe, sagte Cédric Hyde, Vize-Präsident des GEM, am Dienstag.

Anzeige

Die Aktion knüpft an eine erfolgreiche Kampagne mit offenen Türen bei Multis in Genf im vergangenen Jahr an. Auch wenn das GEM erst seit kurzem viel Öffentlichkeitsarbeit leistet, kann es sich nicht über zu wenig Interesse aus der Politik beklagen. Jeder Tag der offenen Tür wird von einem Mitglied der Waadtländer Kantonsregierung begleitet.

(sda/gku/ama)